
In meiner Kindheit waren einige Linien der Alsterdampfer, wie sie aus historischen Gründen genannt wurden Teil des öffentlichen Nahverkehrs. Es war möglich etwa von Winterhude mit dem Schiff morgens zur Arbeit zu fahren, oder die Schifffahrt für Besorgungen in der Innenstadt zur Anfahrt zu nutzen. Ich bin in meiner Erinnerung oft mit meiner Großmutter Hilda von der Haltestelle Winterhuder Fährhaus „in die Stadt“ gefahren. Dort stand, unbeschädigt vom Krieg ein bis 1979 Etablisment der Unterhaltungskultur, Konzerte und Tanzsäle. Wally und Hildchen lernten sich wohl dort kennen. Am 15. Februar 1942 schrieb er aus dem Krieg, dass er vor sechs Jahren, an ihrem besonderen Tag nicht gedacht hätte in sechs Jahren getrennt zu sein. Ich vermute, dass sie am 15. Februar geheiratet haben, meine Mutter, ihr erstes Kind wurde am 3. Juni 1936 geboren.
Es gibt eine Geschichte, dass die Jugendliebe von Hildchen nach Amerika ausgewandert sei, und ihre Mutter, zu der sie auch kein gutes Verhältnis gehabt hätte, die Briefe unterschlagen hätte. Hildchen hatte einen Bruder Herbert, der auch im Krieg gefallen sei.
Die Trauerweiden an den Alsterkanälen machen mich immer ein bisschen traurig, oder leicht melancholisch.
Die Alstersdampfer hatten im hinteren Schiffsteil eine kleine Außensitzfläche, dort saß ich vorzugsweise mit meiner Oma. Ich fühlte mich bei ihr geborgen.
Hilda hatte im Winterhuder Fährhaus Wally kennengelernt.
Sie ging als junge Frau von einem Bauernhof in Pönitz in Stellung in den Sachsenhof, einem ehemaligen Obsthof der als Ferien Pension in Scharbeutz gegründet wurde.
Beim Dampferfahren mit Oma, war ich als Dreijährige sicher traurig, dass ich von meinem Vater getrennt war. Ottensen, wohin meine Mutter mit mir zu ihrer Freundin Ursel vom Postscheckamt zog. Altona war in meiner Erinnerung grau, und ich fühle mich bis heute dort unwohl, gleichwohl die Fassaden dort lange bunt gestrichen sind.
Mein Vater berichtete mir, dass er von einer geschäftlichen Reise nach Hause kam, und von allen Möbeln die Hälfte fehlte. Er erzählte mir, dass er mich gesucht hätte. Meine Mutter hatte wohl weder mit ihm noch mit mir über ihre Trennungspläne gesprochen.
Ich sehe mich als Dreijährige Schutz bei Oma suchen, vielleicht auch bei der impulsiv prügelnden Anneliese. Ursel, die Freundin berichtete mir im Erwachsenen Alter, sie hätte versucht meine Mutter zu bremsen beim Prügeln, ich kann nicht ermessen, wie stark ihr Engagement war, aber dass sie ein schlechtes Gewissen hat, spüre ich.
Wally beschreibt in dem Briefvom 16.2.42.
seine große Freude darüber drei Päckchen gleichzeitig bekommen zu haben, eins von Hildchen und zwei von Tante Klärchen, zum hätte er ein halbes Brot von den Russen kaufen können. Er schreibt, dass eine Flasche Likör von Hildchen komplett in einem Zug ausgetrunken hätte.
Tante Klärchen hat ihm einen Roman an die Ostfront im Kriegswinter 1942 geschickt, “ Riffe der Liebe, ein Blankeneser Roman“ geschickt.
Er kündigt an, das Buch an Hildchen weiter zu schicken, wenn er fertig damit ist, viele Betrachtungen über seine Gier, den Likör am gleichen Tag wie er angekommen ist, ausgetrunken hat, und den Kuchen direkt nach der Ankunft aufgegessen hat.
Neben der Ankunft einer Flak freut er sich über die Ankunft von sieben Postsäcken für seine Einheit.
Ich suche das Buch über die ZVAB eine zentrale Suchmaschine aller Antiquare.
Es ist in Lübeck im Buddenbrook Antiquariat vorrätig. Ich bin neugierig auf das Buch, es hat 315 Seiten, und ist für zwanzig Euro erhältlich. Ich gebe PayPal als Bezahlmethode an.
Während ich mich Online dadurch manövriere, höre ich im Radio, das Helene Fischer vor halbvollen Konzerthallen auftritt, die AfD hat zum Boykott aufgerufen, nachdem die Schlagersängerin ein Statement für Vielfalt gehalten hat.
An diesem Wochenende findet der Bundesparteitag der AfD in Thüringen statt, 100 Jahre nachdem sich die NSDAP da versammelt hat.
Wie hat der zweite Weltkrieg Wally verändert, würde ich Hildchen gerne fragen, hat er ihr nach dem Krieg erzählt was er in den Briefen nicht schreiben wollte oder konnte.
Es gibt aktuell ein Problem mit der KI die mich bei dem Projekt unterstützen sollte, alle Briefe zu transkribieren und historisch einzuordnen. Ich möchte gerne alle ca 500 Briefe transkripiert haben, damit ich sie entlang des Kriegsverlaufs lesen und be und verarbeiten kann. Jetzt liefert sie nicht mehr die Orignaltexte, sondern fast ungefragt zusammen. Ich möchte auch die Einordnung selbst entscheiden. Die Probleme begannen vor ein Paar Tagen, als wir dreißig Seiten auf einmal eingescannt eingegeben hatten, sie eerzählte mir etwas von Urheberrecht, deswegen könnte sie nicht alles im Original Text darstellen. Ich wurde stinksauer, wollte sie mit Kündigung bedrohen. Wir hatten den Fehler gemacht, die Briefe nicht einzeln als PDF hochzuladen, sondern achtzig zu bündeln.
Damit ist Chat GPT überfordert. Für meine Auffassung ist der gebündelte Scan auch zuviel, ich möchte für meine emotionale Verarbeitung die vergilbten Umschläge berühren, die leserliche Schrift laut vorlesen, nicht immer chronologisch, die Briefe danach einscannen und einordnen, mit achtzig Briefen in einer PDF war sie überfordert.




Hinterlasse einen Kommentar