Das Buch vom Nein Sagen

War vom Beltz&Gelberg Verlag herausgegeben, der Einband orange.

Es war ein Geschenk meines Vaters im Grundschulalter, bei der Recherche, ob dieses Relikt antiautoritärer Erziehung noch antiquarisch erhältlich ist, stoße ich auf Selbsthilfe Literatur “ das kleine Buch vom neinsagen“, derer die vermeintlich immer für andere agieren, sich ermutigen endlich Nein zu sagen, gleichwohl sie oft manipulativ ihre Agenda durchziehen.

Mein Vater war nicht gut darin sich zu wehren in seinen beiden Ehen, meine Mutter schlug ihn impulsiv, in ihrer Schwangerschaft mit mir wollte er sich trennen, und das Kind nicht durch die Ehe legalisieren, sondern sich in Sicherheit bringen.

Allein der Titel ein Statement gegen die absolutistische Herrschaft meiner Mutter.

Sie prügelt und brüllte ihren Willen durch, beim Hauch eines Widerwortes wurde sie zerbrechlich vulnerabel.

Es wurde zum Gefühl von „Bambi treten“, das eigene Wollen kapitulierte vor dem kindlich enttäuschten Anteil der Mutter.

Ich habe immer Schwierigkeiten meine Belange zu realisieren, wenn ich mit Weiblichkeit zwischen Attacke und Weinerlichkeit konfrontiert bin.

Sie bot kein stabiles Gegenüber zum Spiegeln, kein Selbstobjekt, keine Identifikation mit ihrer Weiblichkeit.

Ich wollte mir die Haare lang wachsen lassen im Grundschulalter, oder zumindest Zöpfe haben wie Pippi Langstrumpf. Püppi lebte allein mit einem Pferd und einem kleinen Affen in einem Haus. Sie war das Idol meiner Kindheit, sie ließ sich nichts sagen von Erwachsenen.

Das Buch war ein Geschenk meiner Tante Eva, eine weitere Exklave im Totalitarismus meiner Kindheit. Gegen meinen Willen schnitt meine Mutter mir einen Pottschnitt :

“ Du hast so schöne Haare“.

Sie neidete mir die dichten Haare meines Vaters, sie selbst hatte fusselige dünne Haare, die sie in jungen Haaren aufsteckte, später mit blonden Strähnen durch  zog, und mit einer Dauerwelle zu etwas Volumen aufgeplustert.

Ich denke sie schnitt mir die Haare kurz, um die Weiblichkeit zu eliminieren, als ich mir in der Pubertät Kreolen Ohrringe, mit selbst gestochenen Ohrlöchern einsteckte beschimpfte sie mich als Hure, ich hatte eine glückliche Phase, und mochte mich. Ich war nicht gut in Rebellion, das holte ich in den Zwanzigern intensiv nach.

Ich weiß nicht mehr was in dem Buch vom Nein sagen stand, aber das Motto ist ein bisschen mein Leben geworden, nirgends richtig dazu gehörig, immer außerhalb oder dagegen, überall den narzisstischen Absolutismus der Mutter spüren, vielleicht manchmal auch ein bisschen neurotisch. Ich habe nie für irgendetwas richtig gebrannt, manchmal bin ich neidisch um das Eins sein, mit einer Idee, einer Gemeinschaft, aber nie lange, Bindung war immer schwierig.

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Danke, dass du vorbeischaust! Ich bin Kathrin Köpp, psychologische Psychotherapeutin aus Hamburg. Neben meiner Arbeit in der Praxis biete ich eine Online-Beratung für Krisensituationen und diagnostische Einschätzungen für Selbstzahler ohne Wartezeit an. Auf diesem Blog möchte ich mit dir Geschichten aus meinem beruflichen und privaten Alltag als von MS-Betroffene teilen. Meine wichtigste Mitarbeiterin ist Miss Molly, nach zehn Jahren als Hauskatze auch als Queen Mom bekannt. Besonders bei ängstlichen und depressiven Patientinnen ist sie ein wertvoller Teil meines Teams.

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