sprach meine Mutter zu mir, als ich etwa fünf Jahre alt war, die Erinnerung ist difus. Durch meinen Beruf lernte ich später im Leben Menschen kennen,:bei denen diese Drohung realisiert wurde. Nach meiner ersten eigenen PPsychotherapie,:durchdrungen von der Idee, das durch eine Aussprache alles gut werden würde, so dieser Moment in den Amerikanischen Filmen, wo der Vater sich auf seine Liebe zum Sohn besinnt, sie umarmen sich, bäng, Glückshormone, alles heilt, und ist verziehen, sie liegen sich in den Armen. Mein Hollywood Moment war ein anderer, „krieg bloß keine Kinder, ich wollte auch keine, ‚ das fühlt sich rückwirkend wie eine Abtreibung an, die letzte Begegnung, “ du bist eine Schande für die Menschheit, ich bedaure es Dich geboren zu haben.“ Nicht einmal da brachte ich die Selbstachtung auf, mich endgültig in Sicherheit zu bringen. Die Situation ist mir unscharf ist in Erinnerung, irgendwie in der Badewanne, beim Ein- oder Ausstieg, ich muss so fünf oder sechs Jahre alt gewesen sein, die Mutter maximal am Limit, nach der zweiten Scheidung, von dem Witwer mit Sohn, Jörg Scheel hieß er, ein paar Jahre älter. Es gibt ein Foto mit ihm Hand in Hand, irgendwie zwei verlorene Seelen. Er hatte mit acht oder neun Jahren die Mutter verloren, ich meinen Vater. Ich durfte  ihn alle drei Wochen von 11.00-18.00 Uhr sehen. Mein Vater hatte zunächst noch kein Auto.E r fuhr also von  Wedel mit öffentlichen Verkehrsmitteln bis nach Neuschönningstedt, von ganz im Osten der Stadt Hamburg bis in den Westen um mich abzuholen, wenn ich mich an die Zeit erinnere, ist es der Umstieg an der U-Bahn Haltestelle Sternschanze, die unterirdisch hielt, zur S-Bahn die überirdisch fuhr, die Zeit in der Bahn war die Zeit, die ich alleine mit meinem Vater hatte. Ich fühlte mich von ihm Ernst und wichtig genommen. Wenn wir bei seiner neuen Familie angekommen waren verschwand er meistens hinter der „Frankfurter Allgemeinen, dem „Spiegel“ oder dem  „Stern“. Ute, seine zweite Ehefrau brachte den ein Jahr jüngeren Bent mit in die Ehe, Mark war sein zweiter Grund zur Heirat. Ute war sehr bemüht, ich erinnere dass sie mit mir und den Jungs das machte wozu meine Mutter nie motiviert war, sie spielte mit uns, Rommé, Canasta und Monopoly, manchmal war mein Vater auch dabei, zum Essen kam er hinter seiner Zeitung hervor. Ich erinnere, dass es häufig panierte Kotletts, mit einem Knochen, um den herum geschnitten wurde.

Den Kirschkuchen, den Ute zum Nachmittag buck aus dem Glas im Rührteig liebte ich in seiner Schlichtheit, mit Sahne. Ich erinnere mich, dass es mich erstaunte, wie versunken die „Jungs“ mit Playmobil spielten, völlig ungestört.  Ich habe wenn meine Mutter in der Nähe war, nie ungestört gespielt, zum einen habe ich das wohl vor ihr verborgen, zum anderen benötigte meine Mutter permanent meine Aufmerksamkeit, gut erinnere ich mich daran, dass sie sich nach ihrer zweiten gescheiterten Ehe darüber bei ihrer fünfjährigen Tochter darüber beklagte, dass sie später mal keine Rente bekommen würde, das war irgendwo auf dem Weg von zuhause zum Kindergarten, ich wußte mit fünf Jahren sicher nicht, was eine Rente bedeutet. Ich fühlte mich, im Fachjargon parentifiziert dafür zuständig.

Meine Mutter erhielt am Ende ihres Arbeitsleben 2100 Euro, für ihren Ausbildungsweg von der  Realschule, über die Höhere Handelsschule, zur betrieblichen Anleitung beim „Postscheckamt“, dem Vorläufer der Postbank, bis zu ihrer Verbeamtung im mittleren Dienst, ein gutes Ruhegehalt, dass sie auch im Ausgleich für ihre drei Scheidung erhielt, die ich bis zum Abitur miterlebte, erlitt. In der Zeit in der ich mich auf das Abitur vorbereitete, ruinierte sie gerade die dritte Ehe. Ihr Partner, den ich im Zusammenleben im Reihenhaus in der Einflugschneise, Onkel Jürgen nennen sollte, wurde in seiner Position als Geschäftsführer entlassen, seine Position sollte der andere Geschäftsführer mit übernehmen, mit dem er sich befreundet definierte. Jürgen verfiel in eine depressive Phase, in den Erzählungen der Mutter kündigte er von unterwegs seine suizidalen Tendenzen an, wollte wohl in seiner Verzweiflung seiner Ehefrau gehört werden, nach dem er sich telefonisch gemeldet, insistierte sie noch zwanzig Jahre später, nach Beratung durch ihre Freundin Helga Schaaf, die sich auskenne, hätte sie zu ihm gesagt, „dann mache es doch“, sonst würde er es immer wieder tun, Jürgen Kissel nahm sich nicht das Leben, nach dem sie, ihren angestrebten Hausfrauen Status, den sie immer wollte, aufgab, nicht um ihn in seiner Selbstständigkeit zu unterstützen, sondern um beim Fernmeldeamt den Beamten Status zurück zu erlangen. Während sie zur Kur in Bad Wildungen verschwand, vermass seine neue Lebensgefährtin das Reihenhaus. Er stellte sie mir als Geschäftspartnerin. Während ich von einer hämolytischen Anämie, die mir meine Pubertät versaute, genass, mein Zuhause im nächtlichen Geschrei untergang, fürchtete ich jede Nacht während meiner Abitur Vorbereitung, dass es handgreiflich würde, ein Gebrüll war der Sound des Untergangs am Wildermuthrings. Einige Jahre später guckte ich mir das Reihenhaus an, ein Leon stand namentlich an dem Haus, in dem ich mich sechs Jahre deportiert fühlte.

In der fünften Klasse war meine Schule fünfzehn Minuten von der Wohnung am Braamkamp weg.

In Langenhorn musste ich mit der U-Bahn zur Schule fahren, und  noch in den Bus umsteigen. Ich war auch hier wieder durch die weite Anfahrt nicht ganz zugehörig.

Die nicht-¡Zugehörigkeit war immer mein Ort in diesem Leben.

Nach meiner ersten Behandlung bei einer Psychoanalytikerin, Frau Kohn-Ohlsen, als ich an meinem Berufseintritt in der Drogenhilfe, und meiner Unzugehörigkeit an dem Wohnprojekt in der „Großen Freiheit“, einem mennotischem Pfarrhaus von 1792 litt, fühlte ich mich erstmalig in einer Liebesbeziehung länger zugehörig als im organischen Verschmelzen, in einer Nacht. Spätestens beim Aufwachen fühlte ich mich wieder hinaus geworden aus der Verschmelzung, mit Matthias fühlte ich mich eins, und wollte erstmals drei werden.

An die Ansage : “ wenn du nicht lieb bist“, vielleicht war das genaue Wort auch artig, musste ich heute denken, als ich von dem Pflegedienst, den ich morgentlich Unterstützung bei der Ausrichtung benötige, telefonisch eine Begründung für die Kündigung, die mich unerwartet ereilte. Die Geschäftsführung ließ mir über eine zwischen geschaltete Instanz mitteilen, dass ich mich ja weigern würde ein Protokoll für einen Beratungseinsatz zu unterschreiben. Ich hatte einmal dagegen protestiert, dass mir eine Unterschrift abgepresst wurde, und im Nachhinein auf die unterzeichnete Beratung bestanden. Vor kurzem kam es zu einem Sturz, ich konnte mich nicht halten mit der schwachen rechten Seite, forderte Halt von der Mitarbeiterin, sie versuchte wohl den Stuhl herunter zu fahren, hatte wenig Erfahrung mit meinen Einschränkungen, ich ging zu Boden, lediglich ein großer blauer Fleck am rechten Arm, und das Unbehagen nicht wieder alleine hoch zu kommen blieb.

Sie versuchte mich alleine auf die Beine zu bringen, vielleicht unterschätzte ich ihre Kräfte, ich verweigerte die Aufrichtung mit ihr alleine, da es Sonntag war, gab es keinen hilfreichen Handwerker im Hinterhof.

Mit Hilfe eines kräftigen Azubis, der nicht weit entfernt war, kam ich auf die Beine.

Schlimm für mich war nicht das Fallen, der Trigger war der Ruf nach Hilfe, der ungehört verhallte. Ich wußte ich ging zu Boden, und wußte, nach einem Griff unter dem Atm hielte ich mich wieder.

Sie reagierte nicht auf meine Ansage, sie war selten, und lange nicht da, vermutlich dachte sie, sie könne noch helfe, auf dem Stuhl zu landen, ich ging zu Boden, schlimm war mehr das nicht gehört werden, das war der Trigger.

Mit als Kündigungsgrund angeführt wurde, das die Mitarbeiterin die Situation anders geschildert hätte, sie müsste geschützt werden, natürlich hat sie die Situation anders erlebt, in der Dokumentation müsste die Situation vorhanden sein, ist sie nicht.

Ich bin gekränkt, so kindlich, niemand fragt, ob ich mir etwas getan hätte, niemand hört das Drama des nicht gehört werden. Durch über ein Jahr Kontakt mit Pflegekräften entsteht vereinzelt Vertrauen und Interesse fast Bindung, dass ist im Geschäft nicht vorgesehen, der Wechsel ist fast täglich im Einsatz, dem Wunsch nach Kontinuität konnte nicht nur durch die Wechsel von Früh- zu Spätschichten nicht nachgegeben werden, ein Programm rechnet den wirtschaftlichen Plan der Einsätze.

Zufrieden bin ich damit, dass ich mich ermutigte, nach dem Anlass der Kündigung zu fragen, gleichwohl es wieder Energie und Zeit kostet Alternativen zu organisieren, aktuell trägt Fabi zuviel an Verantwortung und Arbeitszeit.

Jetzt haben wir über Facebook einen Freigänger aus der JVA der die Entlassung kurz vor der Zielgeraden hat, der sich nächste Woche vorstellt, der in drei oder vier Monaten in die Freiheit käme, wir müssten jeden Einkauf bei Budnikowsky dokumentieren, und wir überlegen, einen gemeinnützigen Verein zu gründen, in dem beeinträchtigte Menschen, Eingliederungshilfe, Assistenz zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben bekämen, und ehemalige Strafgefangene, eine Gelegenheit sinnvolles für den eigenen Lebensunterhalt zu tun.

Wir gründen einen Verein, der die Chance hat gemeinnützig zu werden, beantragen Gelder beim Europäischen Sozialfond oder Stiftungen.

Ich könnte noch mal mein Tätigkeitsfeld wechseln, mich der Budgetierung entziehen, und mehr gemeinsam arbeiten, weniger von Erwartungen nach Heilung überfrachtet. Personelle Ressourcen sind da.

Hinterlasse einen Kommentar

Herzlich Willkommen

Danke, dass du vorbeischaust! Ich bin Kathrin Köpp, psychologische Psychotherapeutin aus Hamburg. Neben meiner Arbeit in der Praxis biete ich eine Online-Beratung für Krisensituationen und diagnostische Einschätzungen für Selbstzahler ohne Wartezeit an. Auf diesem Blog möchte ich mit dir Geschichten aus meinem beruflichen und privaten Alltag als von MS-Betroffene teilen. Meine wichtigste Mitarbeiterin ist Miss Molly, nach zehn Jahren als Hauskatze auch als Queen Mom bekannt. Besonders bei ängstlichen und depressiven Patientinnen ist sie ein wertvoller Teil meines Teams.

Besuch gerne meine Homepage: Tiefenpsychologisch fundiert – Psychodynamisch fokussiert – Home

Let’s connect