Dieser Brief erreicht mich über die App der größten Krankenkasse Deutschlands. Dem voraus gegangen war eine Beschwerde meinerseits beim Vorstand der TK.
Durch einen nicht festgestellten fahrbaren Bürostuhl war ich drei Wochen zuvor nachts gestürzt, und über einen Feuerwehreinsatz, ausgelöst durch den Notruf des Roten Kreuzes in der Notaufnahme gelandet. Nach der Feststellung eines Rippenbruchs, orderte die Ärztin einen Krankentransport nach Hause. Diese Kosten wollte die Sachbearbeiterin mit dem schönen Vornamen Eileen nicht übernehmen, aufgrund meines Grades der Einschränkungen hätte die TK die Kosten für ein Taxi übernommen. Die medizinische Begründung für die Rückfahrt nach Hause läge nicht vor. Ich spiele eine Taxifahrt in Unterwäsche, ohne Orthese für das schwache Bein innerlich durch. Ich wäre nicht einmal in dem Wagen gekommen. Ich rufe in der Notaufnahme bezüglich der medizinischen Begründung an, Transport Scheine würden ohne Diagnose ausgestellt, das geschehe aus Datenschutz Gründen. Ich versuche Eileen B. das zu vermitteln. Sie weist mich auf meine Mitwirkungspflicht mit dem entsprechenden Paragraphen hin. Der Fragebogen, den ich von einem Arzt ausfüllen lassen soll, kommt per App. Ich erwäge kurz in die Notaufnahme zu fahren, die Ärzte von der Krankenversorgung abzuhalten, um der Bürokratie Folge zu leisten, nur wer zahlt die Assistenz für diese Fahrt, mein Faxgerät funktioniert gerade nicht. Ich biete Eileen B. den Notfallbericht mit der gebrochenen Rippe an, darauf lässt sie sich Paragraphen fundiert nicht ein.

An diesem Punkt kippt es innerlich bei mir in Ohnmacht, Hilflosigkeit und Rechtfertigung. Innerlich addiere ich meine Existenz Berechtigung für die Anzahl meiner TK versicherten Patienten, meinen Krankenversicherungsbeitrag von aktuell knapp 1200 Euro, der demnächst auf 1400 Euro anschwellen, für die Gesundheitsministerin Waken gehöre ich zu den Besserverdienenden. In mir schwillt ohnmächtige Wut. Die Krankenversicherungsbeiträge der Bürgergeld beziehenden Ukrainer, die der Staat den Beiteagszahlern überlässt, eine Selbsterfahrung im Ressentiment, assoziativ kommen die Sozialwohnungen dazu, die Deutschland in der Ukraine baut, und nicht hier. Ein Life Experiment, wie Hass aus Hilflosigkeit entsteht. Die Verschiebung auf die Ukraine innerlich befreit kurzfristig, löst mein aktuelles Problem nicht. Ich beruhige mich innerlich mit dem Gedanken an meine Rechtsschutzversovherung, verliere der TK-Eileen kurzfristig gegenüber die Continance, und fauche etwas von einer Klärung bei Gericht. In meinem Kalender notiere ich die Frist für den Widerspruch gegen diese Entscheidung. Irgendwie gelingt es mir mich für mein Tagesgeschäft, die Begleitung meiner Patienten durch deren Nöte herunter zu modellieren, ein Stimmchen in mir brüllt, warum tust Du Dir das an, gehe doch Sozialamt, verbuddel Deine Etf gestützte Altersvorsorge, genieße Deine freie Zeit. Schreibe Deine Blogs, forsche zu Opas Briefen aus dem Krieg. Mache Dich nicht weiter kaputt in preußischer Pflichterfüllung, und deinem pervertiertem Autonomie Streben, Deinem Wunsch Kontrolle über Dein Leben zu erhalten. Die Anstrengung diese Wut energetisch in Kraft zur Lebensgestaltung zu verwandeln, macht den Unterschied in Raserei oder Resignation zu kippen aus.

Ich scanne den Notfallbericht ein, formuliere eine Beschwerde an den Krankenkassen Vorstand, erwähne das Wort Rechtsanwalt, stelle einen imaginären Verbündeten neben mich, einen großen Bruder. Eileen bittet in ihrem Ablehnungsschreiben um eine persönliche Bewertung, wie zynisch kann eine Krankenversicherung, deren Aufgabe die gesundheitliche Versorgung ihrer Mitglieder ist, ihre künstliche Intelligenz zur Briefbeantwortung einstellen.
Es gelingt mir meine Empörung knapp zwei Wochen zur Seite zu stellen, ein bisschen Lust am Krawall stellte sich neben dem Wunsch den Alltag in Ruhe zu gestalten ein. Am Donnerstag fand ich in der App einen Brief von TK-Eileen, dass die TK die Fahrtkosten zur ambulanten Behandlung übernimmt. Die Beschwerde beim Vorstand hat abgeholfen. Richtig genießen kann ich diese Selbstverständlichkeit der Kostenübernahme nicht, das wirtschaftlich drittstärkste Land hat wenig für die, in diesem Fall vermeintlich Schwachen übrig.

Eine auch von multipler Sklerose betroffene Patientin, die bis zum Zusammenbruch in Ihrem Beruf als Krankenpflegerin gearbeitet hat, und jetzt auf Sozialhilfe Niveau leben muss, berichtet mir, dass ihr Neurologe ihr die Verordnung für die Ergotherapie, das Hirnleistungstraining von fünfzig auf dreißig Minuten zusammen gekürzt hätte, sie sei für die Krankenkasse zu teuer.
Die Ansage des Bundeskanzler, “ wir können uns den Sozialstaat nicht mehr leisten“, schlägt durch, bei Kostenträgerm, Behandlern und Betroffenen. Die 45,8 Milliarden, die den Wohlhabenden und Unternehmen zu Beginn der Amtzeit gesenkt worden schon.
Sie profitiert sehr von dem freundlichen fachlich versierten Therapeuten, gewinnt durch das Training kognitiv mehr Sicherheit. Durch diese Kürzung Ihrer zur Bewahrung Ihrer Selbstständigkeit erforderlichen Behandlung spart die GKV maximal ein paar Hundert Euro im Jahr, in ihr zementiert diese Kürzung des in der Kindheit vermittelten Gefühls von Wertlosigkeit.
Sie erlebt sich selbst nur noch als Kostenfaktor, wehrt sich nicht. Das Gift des Kanzlers sichert in’s Bewußtsein .
Die Patientin möchte die Psychotherapie unterbrechen, zu teuer, vermutlich.


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