
Meine Mutter,geboren 1936, hatte zwei Schwestern, Heidi Jahrgang 1937, und Eva, die letzte geboren 1939 schenkten mir jedes Jahr zum Geburtststag eine Rose für den Garten.
Dieses Jahr sind die Knospen besonders üppig. Ich lebe seit etwa zwanzig Jahren in einem „Wohnbüro mit Garten in Uhlenhorst“. Die Vermietung lief über eine Anzeige im „Hamburger Abendblatt“ noch in Papier.
Die Anzeige war magisch, ich hatte gerade keine gute Zeit, steckte fest in zerborstenen Träumen einer gemeinsamen familiären Zukunft.
Die vorherige Wohnung, 3,5 Zimmer, mit getrenntem Bad und Toilette, war vom Schnitt optimal für die Doppelfunktion, die Wohnungsbaugesellschaft der Deutschen Angestellten Gewerkschaft, war mit einer Doppelnutzung nicht einverstanden, ich wollte ein offizielles Schild an meiner Tür haben, stolz endlich den Schritt in die Freiberuflichkeit getan zu haben.
Vorher war ich über zehn Jahre angestellt in der Drogenhilfe, als die Krankheitsdiagnose kam, nahm ich zunächst nebenberuflich eine beratende Tätigkeit bei einer Betriebskrankenkasse auf, die BKK Post war aufgrund der Privatisierung von Telefon und Zustellung mit einem extrem hohen Krankenstand mit psychischen Erkrankungen konfrontiert. Durch die Agenda des Brioni Anzugs tragenden Kanzlers und späteren Putin Freunds, wurde die Arbeitslosenhilfe abgeschafft, so dass seit dem, nach einem Jahr Arbeitslosigkeit alle erarbeiteten Vermögenswerte über die Grundsicherung hinaus zur Existenzsicherung eingesetzt werden müssen. Die Arbeitslosenhilfe bot bis zur Rente, etwas bessere Bedingungen.
Das Krankengeld, das insgesamt mit sechs Wochen Lohnfortzahlung achtundsiebzig Wochen gezahlt wird, wurde zur letzten Etappe vor dem Absturz ins Bodenlose.
Ich beriet Menschen denen ihre ganze Welt zerborsten war, viele Familien waren seit Generationen bei der Post beschäftigt, wohnten auch in Post Wohnungen, die Privatisierung, nicht nur des DDR Eigentums, sondern auch der westdeutschen Komfort Zone für die arbeitenden zerrüttete den Konsens der Sozialpartnerschaft. Biografisch skurril war meine Mutter geborgen im Beamtenstatus, übergegangen vom Fernmeldeamt zur Telekom, in diesem Universum, durch ihren Beamtenstatus geschützt vor dem einbrechenden Kapitalismus, durch die Beihilfe Privatpatienten Status, hochnäsig der Tochter gegenüber. Als Kind begleitete ich sie manchmal ins Büro, gemütlich gesellig war, Kuchen, Brötchen und Sekt, etwas zu feiern gab es immer. Mein Einstieg in die Freiberuflichkeit hing an der Zerschlagung der mütterlichen Versorgungswelt.

Als ich einen halben Versorgungsauftrag als Psychotherapeutin übernahm, die Ablöse betrug 18 000 Euro, beschloss ich mir wöchentlich Blumen liefern zu lassen für den Behandlungsraum, es ist wöchentlich eine Überraschung und große Freude für mich und die Patienten, steuerlich wurde es über fünfzehn Jahre als Präsentationskosten akzeptiert, bis zu einer Steuerprüfung, nun wird nur noch ein Teil als Betriebsausgabe akzeptiert.
Als ich kürzlich begann die Briefe meines Großvaters aus dem zweiten Weltkrieg zu lesen, berührte mich ein Brief aus der Nähe von Charkov, in dem Wally seinem Hildchen schrieb, er hätte Blumensaat gekauft auf dem Markt, und ihr gesandt.
Ich fühle eine Verbundenheit mit den Großeltern und den Tanten, die ich familiär noch nie empfand, über die Liebe zu den Blumen.



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