die kalten Augen meiner Mutter
Mein Vater berichtete mir, dass ein gemeinsamer Freund meiner Eltern, ein Polizist, meine Mutter so titulierte
Beim Schreiben ūber meine Oma Hilda, und ihr Lebensmotto :
„Da hinten wird es schon heller“, fiel mir die Weltuntergangsdame wieder ein, als Gegenüber in mir, zu dem unermüdlichen Suchen nach Licht.
Das erste Foto meiner Mutter, ist auf dem Arm meines Großvater, als Baby.
Er trägt die Wehrmachtsuniform, er hält 1936 sein erstes Kind auf dem Balkon, im Hintergrund hängt die Hakenkreuzfahne. Das Symbol der kommenden Zerstörung und Vernichtung
Der Vater meines Großvaters hat sich das Leben genommen, meine freikirchlich organisierte Tante spricht von einem Dämon, der in der Familie herrsche, selbiger sei auch für einen tödlichen Verkehrsunfall verantwortlich, den sie durch Raserei in einer Dreißiger Zone verursachte.
Diese christlich verpackte Verantwortslosigkeit, schwang auch mit, als ich ihr vermittelte, daß ihr, nach dementieller Erkrankung verstorbener Ehemann, sexuell gegen mich als Kind und Jugendliche übergriffig war.
Sie kommentierte mit den Worten:“ ich dachte mir immer dass da was lief“.
Diese Einordnung wäre angemessen, hätte ich als Erwachsene ein Verhältnis zu einem selbst gewählten Partner gehabt, aber ihre Nichte, in der Pubertät, der ihr Ehemann im Schrebergarten mit einem entblößten Genital auflauert, die hätte sie schützen müssen. Meine Mutter kommentierte diese Szene, als ich sie mit Ende Zwanzig im Zuge meiner ersten Psychotherapie damit konfrontierte, „bei mir hat er es auch versucht.“
Es ist wohl etwas anderes, wenn dein Schwager mit dir flirtet, oder dir nach stellt, als wenn er deine minderjährige, damals an einer Blutkrankheit schwer erkrankte Tochter bedrängt.
Ich erinnere aus diesem Gespräch die kalten Augen meiner Mutter.
Keine Empathie, kein, “ warum hast du mir das damals nicht erzählt“.
Ein kaltes Starren.
Dieser Blick ist in meiner Seele eingebrannt, so hat sie auch gestarrt, wie ich von der Schwangerschaft erzählte die verloren ging, die Großmutter sprach ganz aus dem Zusammenhang, ich wusste immer dass du ein Kind wolltest, ich hatte nie mit ihr darüber gesprochen.
Dieser kalte Blick begegnete mir kürzlich wieder bei einer Pflegerin im medizinischen Kontext.
Es ist mehr ein Glotzen, be- und entwertend.
Ausschwitz Überlebende berichteten von dem Pannwitz Blick, dem Selektionsblicks eines Arztes an der Rampe.
Warum hat meine Mutter mich so angeglotzt, mutmaßlich nicht zum ersten Mal. Etwas in meiner Seele kannte diesen Blick, in Erziehungsratgebern im Dritten Reich war zu lesen, dass man schreiende Säuglinge nicht auf dem Arm nehmen sollte, sondern sie schreien lassen solle.
Als der dritte Ehemann durch eine schwere berufliche Krise kam, von einem „befreundeten“ Kollegen verraten worden war, eine schwere suizidale Krise hatte, kommentierte sie ihrer Erzählung nach, seinen nächtlichen Verzweifelten Anruf, “ dann mache es doch“, Helga Schaaf hätte ihr das geraten, „sonst machen die das ständig.“.
Seinen späteren Wunsch nach Unterstützung seiner Selbstständigkeit kommentierte sie mit der Wiederaufnahme ihrer Beschäftigung bei der damals noch staatlichen Telekom. Sie stand nur so lange zu ihm, wie materielle Rendite ihrer Ehe zu erlangen war. Als Grundschülerin nöhlte sie mich voll, dass sie mal kaum Rente bekommen würde, ich versprach sie zu versorgen. Sich selbst beruflich anzustrengen um etwas zu erreichen kam nicht vor, in ihrer Gedankenwelt, der Staat und diverse Versorgungsehen sollten die Versorgung gewährleisten.
Der letzte Partner, auch ein Telekom Beamer war in den letzten Jahren seines Lebens neurologisch motorisch etwas eingeschränkt, auch weil sie nicht rechtzeitig die 112 nach einem Schlaganfall rief, sondern langsamen Schrittes zur Hotel Rezeption schritt, wo “ so ein netter Portier“ saß, war ihr in seinen Problemen mit der Handkoordination peinlich, dass ließ sie laut und deutlich vor ihm und dem Rest der Welt verlautbaren.
Mir gegenüber begann das wohl schon kurz nach der Geburt, das eine Ohr war leicht umgeschlagen, andere Kinder auf der Säuglingstation waren in ihren Augen makelloser.
Als ich sie das letzte Mal sah, hatte ich sie an ihrem Geburtstag mit dem Auto abgeholt, zur Erdbeertorte an die Elbe.
Sie griff mit Kommentaren in mein Fahren ein, auf meine freundliche aber bestimmte Zurückweisung erwiderte sie : “ ich sei eine Schande für die Menschheit, sie bedaure meine Geburt“.
Das war das letzte Zusammentreffen, danach schütze ich mich.
Ich versuchte noch zwei Jahre lang eine Entschuldigung zu erlangen, sie stand dazu nicht, sondern behauptete ich würde sie zu Unrecht beschuldigen.
An dem Geburtstag selbst, dissoziierte ich, diese Gefühle waren nicht aushaltbar, und zog den Erdbeertorten Geburtstag bis zum Ende durch.
Vor einigen Jahren fand ich auf Facebook etwas :
“ sei der den du früher
gebraucht hättest“.
Der warme Blick meiner Großmutter beschützt mich heute noch, das Blau ihrer Augen strahlt mich vom Vergissmeinnicht in meinem Garten an, ähnlich wild wie die Rabatten von Omas Garten.


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