Mein Eindruck ist, dass die Reduzierung der Behandlungskapazitäten ab dem kommenden Jahr auch bei den Patienten massive Ängste hervorruft, der Andrang in die Behandlung hat aktuell bei mir zugenommen, auch das Bedürfnis Langzeittherapie Anträge zu stellen, bei mir führt das zu einer Zunahme von Schreib- und Formulierarbeit.
Eigentlich schreibe und formuliere ich gerne, die längere Reflektion über die psychodynamische Gewordenheit, wie Zeit historische Ereignisse, etwa die Flutkatastrophe von 1962 in Hamburg, die deutsche Teilung und Wiedervereinigung, die Recherche zum Bosnischen Bürgerkrieg, oder zur Situation der Kurden in der Türkei ist für mich Teil meiner Arbeit um ein Verständnis für die Gewordenheit der Patienten zu gewinnen.
Mir macht dieser Wissenzuwachs Freude, ich lese viel zu migrantischen Biographien, der historischen Entwicklung der Bundesrepublik, siebenundreißig Prozent der Hamburgerinnen haben eine Migrationsgeschichte, ein Eltern Teil ist nicht hier geboren, ich mag die Vielfältigkeit der Lebensgeschichten.
Wenn ein Langzeit Antrag zur Krankenkasse geht, bekomme ich nach fünf Wochen Nachricht vom Gutachter, der den Antrag anonym mit Chiffre erhält, eine Genehmigung mit psychodynamischer Erläuterung.
Es ist manchmal kränkend, dass es eine Kontrollfunktion gibt, folgt der Gutachter meiner Einordnung nicht, bewilligt die Krankenkasse die beantragen Stunden Langzeittherapie nicht, im ersten Bewilligungschritt nach einer Kurzzeittherapie sind es sechsunddreißig Stunden.
Im Falle einer Ablehnung können die Patientinnen Widerspruch einlegen, und ich darf erneut schreiben.
Es geht an ein Obergutachter.
Ein Psychologischer Paychotherapeut der auf TikTok zum Teil gute Aufklärungsarbeit macht, zum Teil einen grandiosen Hang zur Selbstdarstellung hat, verkündete letzte Woche eine neue Verschwörungstheorie.
Er brachte in den Umlauf , dass die Gutachter proaktiv auf Anweisung der gesetzlichen Krankenkassen Anträge auf Langzeittherapie ablehnen würden.
Kollegen würden das bestätigen, meine Erfahrungen sind aktuell andere, so meldete sich mein Rechthaber Anteil, ich schreibe aktuell viel, und schaffe es noch den Druck so zu dosieren, das er konstruktiv mobilisierend wirkt, nicht blockierend.
Mein inneres Jammertier sagt, trotz meiner fiesen Erkrankung arbeite ich freiberuflich seit über zwanzig Jahren, seit über fünfzehn Jahren niedergelassen, über sechshundert Patienten gesehen im Rahmen der GKV mit meinem Versorgungsauftrag, in IT investiert, mich fortgebildet, fachlich weiter entwickelt.
Mir persönlich wird zu der genehmigten wasserfesten Orthese, der rutschfeste Schuh nicht genehmigt, dass ich Duschen, Baden kann.
Das ist für mein Empfinden extrem ungerecht, erstmals seit dem die Krankheit schlimmer ist, plane ich einen Urlaub im Süden Kretas, meine Sehnsuchtagegend.
Dort gibt es einen Seatrac mit dem ich direkt in Wasser fahren kann.
In Griechenland sind 450 Strände damit ausgestattet, ich muss mir von einer Krankenkassen Mitarbeiterin sagen lassen, dass für Menschen mit Beeinträchtigungen Urlaub kein Anspruch ist.
Deutschlands größte Krankenversicherung, zehn meiner Patienten sind bei der TK versichert.
Zurück zum Berufsleben.
Viele Gutachter sind Kollegen, haben selbst eine Praxis für TP, ich glaube nicht dass sie so devot sind.
Der Kollege beschrieb, dass es sich um eine Trauma Patientin handelte, sowie er es beschrieben hat, stand die Psychodynamik nicht im Vordergrund, vielleicht war sein Antrag nicht besonders gut.
Ich hatte kürzlich eine Reduktion der beantragen Stunden auf sechzehn, ich hatte dem Gutachter nach, die ADHS-Diagnose nicht schlüssig eingebunden, im Nachhinein stimmt die Kritik, wir haben weiter gearbeitet, und ich habe in meinem Fortführungsantrag die Kritik berücksichtigt, gleichwohl ich zunächst mega beleidigt, gekränkt war.
Ich sage zu machen Patienten immer, wenn ich meine Arbeit richtig mache, wird der Antrag genehmigt, ich möchte nicht polarisieren in Richtung böser Krankenkassen, und mich künstlich überhöhten, als einzige Retterin, im Reich des Bösen, narzisstisch schmeichelt diese Rolle das Ego.
Ich hatte für einen Patienten einen Umwandlungsantrag geschrieben, es ging um Trauer und Verlust, im Hintergrund war der frühe Verlust einer Bindungsperson. Ein Symptom war die Angst vor dem Autofahren.
Mein Umwandlungsantrag war auch nach schriftlicher Stellungnahme des Gutachters fundiert. Der Patient entschied sich jedoch für eine Verhaltenstherapie.
Ich saß da mit einem grandiosem Antrag, und habe für die Zukunft viel gelernt, genauer abzuklären, ob jemand kommt um ein lästiges Symptom loszuwerden, oder tiefer Heilung und Veränderung sucht.
Der Abbruch hatte vielleicht auch den Hintergrund, dass ich kurzfristig Termine absagen musste
Im Hintergrund war eine Beziehungsperson mit alkoholischer Unzuverlässigkeit, und eine Bevorzugung kognitiver VT durch sein Umfeld,
Das hat mir viel gebracht, ein guter Arzt von mir, ein Orthopäde zitiert gerne seinen Vater, einen Kieferorthopäden, der ihn an die ärztliche Bescheidenheit erinnerte, ein bisschen Demut sollte auch in das Handgepäck der Psychologischen Psychotherapeuten gehören.

Bei aller genialer Formulierungslust, sollten wir wie alle berücksichtigen auch mal nur mittelgute oder schlechte Anträge zu schreiben, oder in sich schlüssiges und an den Bedürfnissen des Patienten vorbei zu denken, psychodynamisch kann man diesen Abbruch auch als Abwehr schmerzhafter Erkenntnis sehen, in einer psychoanalytischen Behandlung bin ich selbst ausgestiegen, als die Wut zu groß wurde, ich mich nicht getragen fühlte, um sie später in ganz großer Not fortzuführen.
Ich habe auf TikTok dem Kollegen einen Kommentar hinterlassen, dass der Antrag vielleicht wirklich nicht gut war, die eigentliche Botschaft war, heul nicht, geh arbeiten, das sage ich auch mir selbst.

Aktuell ist ein großer Druck im Kessel, viele Patienten aufzunehmen, wenn erforderlich in die Langzeittherapie aufzunehmen, mit der vagen Hoffnung, dass genehmigte Behandlung noch angemessen finanziert werden.
Ich kann damit die Entwicklung nur verzögern, ich arbeite aktuell mehr, wie ich das jemals wollte.
Es macht Freude, aber meine Erkrankung und die Organisation medizinischer und sozialer Unterstützung ist eigentlich schon ein Halbtagsjob.
Ich möchte nicht aufgrund der Erkrankung in der Sozialhilfe landen, nur noch abhängig von Behörden, krank sein ist beschissen, arm und krank schafft völliges Ausgeliefertsein.
Ich schreibe weiter, gefühlt um mein Leben, um meine Unabhängigkeit.


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