
Ich nehme mir zwei Tage frei, um das Meer zu fahren, sie überstand dort die Reaktion auf den Deutschen Angriffskrieg.

Eva war die jüngste Schwester meiner Mutter, an meinem Geburtstag Ende Mai hat sie bei mir im Garten gesessen, sich über die Erdbeertorte von Bäcker Pritsch gefreut

Auf dem Bild liesst sie einen Brief ihres Vaters, ich hatte in diesem Jahr begonnen die Briefe ihres Vaters zu transkribieren mit der Hilfe der KI, in einem Brief von der Front des Deutschen Angriffskriegs, schreibt er, dass er sich besonders über das Foto der neugeborenen Evi gefreut hätte, sie las das mit 86 Jahren in ihrem letzten Lebensjahr.
Sie saß in meinem Garten unter den Rosen, jedes Jahr brachte sie eine Pflanze, bis vor drei Jahren noch mit ihrer zwei Jahre älteren Schwester Heidi.

Den zweiten Weltkrieg verbrachten sie in Pönitz, ein Dorf in der Nähe von Scharbeutz, als ich die Nachricht von meiner Cousine Michaela bekam, sagte ich für Donnerstag und Freitag die Patienten ab, und fuhr am die Ostsee, vor einigen Wochen war ich schon mit Fabi nach Pönitz gefahren, und hatte mich vorab bei Eva über die Adresse des Hauses in der Friedenstraße erkundigt, ein schlichtes weißes Haus.

Eva berichtete, dass sie mit zwei oder drei Jahren von dort den Feuersturm auf Hamburg sehen konnte, der Himmel sei rot gewesen.
Mein Vater erinnerte im gleichen Alter, die Situation im Luftschutzkeller in Berlin, als die Reichshauptstadt zerbombt wurde.
Ein Freund von mir ist Busfahrer, er berichtete mir von der Linie 22. Er würde zwei Schwestern regelmäßig von Blankenese nach Eppendorf fahren, die eine lebe in Eppendorf, die Andere in Blankenese. Aus seiner Schilderung der Beiden schloss ich, dass es sich um meine Tanten, Heidi geboren 1937, und die zwei Jahre jüngere Eva handelte.
Ich lud die Beiden zum Kaffeetrinken ein, kündigte einen Überraschungsgast an.
Es war ein schöner Nachmittag, Adem kennt alle seine Stammfahrgäste.

Heidi starb vor zwei Jahren unwürdig in einem Pflegeheim, sie wurde nach einer Rücken Operation drei Wochen in einer Einrichtung geparkt, die drei Wochen später geschlossen wurde.
Sie schrieb vor Angst um Hilfe, niemand kam und bot Trost, die Pflege ist ein knallhartes Geschäft.
Nach Ihrer nicht ganz freiwilligen Verrentung brach eine Psychose aus.
Eva bemühte sich um geistigen Beistand, und versuchte die Erkrankung gemeinsam mit Heidi weg zu beten, überall lagen aufgeklappt Bibeln, das Projekt Psychose wegbeten scheiterte ebenso wie Evas Anlauf meine MS bedingte Gehbehinderung, durch die ihr inne wohnende Kraft Jesus zu heilen, “ wirft die Krücken weg, und Jesus lässt Dich laufen.“
Ihr Glaube bot ihr sicher Trost und Halt, auch in der Bewältigung einer schuldhaften Verursachung eines Verkehrsunfalls, es gäbe einen Dämon in der Familie, so wurde auch die Selbsttötung ihres Großvater durch Gas gedeutet, ihr Vater wuchs dann bei Onkel und Tante auf. Eva hatte die freundliche Zuwendung zum Leben und unterschiedlichsten Menschen meiner Großmutter Hilda.

Gelegentlich schrieb sie missionierende Briefe, ruderte jedoch zurück, als ich ihr mitteilte, dass ich ihren Glauben respektierte, und auch darum bat.
Sie entschuldigte sich.
Als ich die Rufnummer meiner Cousine im Display sah, versuchte ich noch Eva zu erreichen, eigentlich wissend, dass sie nicht mehr an das IPHONE gehen würde, dass ich ihr ge schenkt hatte, sie lebte in Armut, da sie nicht betriebswirtschaftlich in der Lage war, ihren Friseur Salon in Blankenese zu führen.
Ich war dankbar ihr marodes IPHONE austauschen zu können, gegen ein neues Gerät, und meine Freude über ihre Rosen mit ihr teilen zu können.
Sie war die Herzenstante in meiner Kindheit, ausgestattet mit der Liebe zum Leben und den Menschen ihrer Mutter, meiner Großmutter Hilda, von der die älteste Tochter, meine Mutter wenig zu teilen hatte, in ihrer häufig narzisstisch entwertenden Art.
Eva war wie ihre Mutter, sie klagte nie, auch bei fürchterlichen Schmerzen.
Sie arbeitete bis in das hohe Alter, als Friseurin um die knappe Rente aufzubessern.
Ihre beiden Kinder, Michaela und Matthias vermissen sie, bei mir im Garten wird sie immer sein, auch zur Erdbeertorte nächstes Jahr im Mai.






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