Reinhard Mey, seit dem er in der Haftbefehl Doku in einem Moment größter Verzweiflung, des durch gekoksten Heldens auf der akustischen Gitarre zitiert wurde ist er mir wieder präsent.

Ich verbringe die heißen Frühsommer Tage in meinem Garten. Den Sonnenschirm habe ich bei Ebay in England gekauft. Seit etwa zehn Jahren möchte ich genau so Einen haben, der Klassiker in den Grundfarben, Vintage würde ihn man in neudeutsch nennen.
Ich musste auf den Preis von 50 Euro 20 Euro Zoll zahlen, der Brexit verteuert den privaten Warentausch.
Ich freue mich an meiner Großzügigkeit zu mir, mache Jokes, dass es Dianas Sonnenschirm war.
Içh imaginiere die unglückliche Prinzessin, wie sie mit Dody Al Fayette unter dem Sonnenschirm sitzt, ich fabuliere, das vielleicht ein Kind entstanden ist, dessen Geburt die Thronfolge im Königshaus durcheinander gebracht hätte.
Viel Schatten spendet der Schirm nicht, der kleine Garten ist überwiegend schattig, Erdbeertorte von der Bäckerei/ Konditorei Pritsch, Riesenfrüchte in Dunkelrot, die Gelatine durch pflanzliche Produkte ersetzt, Schlagsahne, steif geschlagen, das ist Glück. Schöne Erinnerungen aus einer trüben Kindheit Erdbeertörtchen mit Sahne, die Mutter die sich viel Mühe gab mit den Geschenken, aber meist mehr die Tochter beschenkte die sie gerne gehabt hätte, oder gewesen wäre, die Not in ihrem Gesicht, anerkannt zu werden für ihre Geschenke, die selten passten, nach Wünschen wurde nie gefragt, Klamotten nach ihrem Geschmack gekauft, in der festen Überzeugung; besser als die Tochter zu wissen was zu ihr passt. Geschenke strengen mich bis heute an, die innere Aufgabe Freude zu aimulieren, ohne welche zu spüren verdirbt den Geschenkaustausch, die größte Freude sind keine Gaben die Freude erzwingen, um das Gegenüber zu beglücken. Schön war der Fünfzigste, eigentlich gab es nichts zu feiern, dachte ich; was hat man dafür geleistet. Ich kam in Kontakt mit einer Barkassen Eignerin, ich mietete das Ding, wir fuhren drei Stunden durch den Hafen, Erdbeertorte von der Konditorei Boyens, die leider mangels Nachfolge schließen musste, Prosecco vom Weinladen im Hinterhof, Olivia vom schönen Laden Dalivi vermittelte den Akkordeonspieler, die Mädels sangen mit schlechten Stimmen und großer Freude, Seefahrer Lieder.
Es waren vierundsechzig Gäste, die meisten sah ich danach nie wieder, sozusagen meine Abschiedsvorstellung aus dem öffentlichen Leben.Die Mutter mit ihrem letzten Lebensgefährten, der den gleichen Namen trug wie der erste Bruder Horst, der nach wenigen Wochen im Kriegsjahr 1942 verstarb, weil die Hebamme ihn mit Thyphus infizierte, das nächste Krankenhaus war in Lübeck, ohne Auto weit von Pönitz entfernt, daran erinnert sich meine sechsundachtzigjährige Tante bei der Erdbeertorte. Vielleicht hatte die sechsjährige Mutter das Gefühl etwas falsch gemacht zu haben, der nächste Sohn war Manfred der Erfolgreiche und Verbitterte, um dessen Erwiderung ihrer Zuneigung buhlte sie.
Die Mutter auf der Barkasse mit erstarrten Gesicht, die Eiskönigin, kein herzliches Umarmen, kein Trost für die Erkrankung, keine Anerkennung, nur Neid, „mit deinen Bildungschancen hätte ich mehr erreicht.“
Das Geundschulzeugnis, „bei etwas mehr Anstrengung hätte Kathrin mehr leisten könne“, so wurden die Zweier und Dreier kommentiert. Wally, der schön schreibende Frontsoldat anerkannte Einsen mit einer Mark, Zweien mit fünfzig Pfennig, für eine Drei gab es einen Groschen. Für die Note Fünf im Schönschreiben verprügelte die Mutter mich impulsiv, ich hatte mich sehr bemüht, und konnte es nich, weder die Lehrerin noch die Mutter konnten es mir vermitteln.
Ich wurde 1969 eingeschult, der erste Jahrgang der in Hamburg nicht mehr von den Lehrern geschlagen werden durfte.
Ein achtzigjähriger Patient berichtet, dass er in den fünfziger Jahren in der Schule von den Lehrern bei vermeintlichen Fehlverhalten mit dem Rohrstock auf die Hände geschlagen wurde, er kam mit der Fragestellung in die Therapie, warum der Vater, von der Umkesselung von Stalingrad traumatisiert sich an ihm den jungen Schmächtigen austobte, und aufhörte als die fünf Jahre jüngere Schwester geboren wurde, diese warum ich, und nicht der Ältere oder die Schwester fragt er sich bis heute.


Hinterlasse einen Kommentar