Der Mobility Service am Flughafen wird von zwei Griechen abgedeckt, der eine kommt von Rhodos, der andere von Kreta.
Beide bei deutschen Urlaubern beliebte Inseln waren am Wochenende vor unserem Start von Extremwetter Phänomen betroffen, Urlauber wurden zum Teil evakuiert.
Kurz nach dem Start kommt eine Stewardess mit einem Kinderbuch unter dem Arm vorbei, difuse Erinnerung an meinem ersten Flug im Grundschulalter.
Kinder werden während Flugreisen mit Bilderbüchern und Stofftieren bespasst, daran hat sich auch in Zeiten von Tablets nichts geändert
Wir durchkreuzen in der Luft ein Schlechtwettergebiet, ich erinnere die Kotztüten die sich damals in den Fächern mit den Sicherheitshinweisen befinden, als Kind faszinierten sie mich, gleichwohl ich sie nicht benötigte. Ich erlebe die Turbulenzen heftig, gerade war ich am überlegen, wie ich zur Bordtoilette komme, der Gang ist enger, als ich ihn erinnere.
Zu einem Flug gehörte, auch in den Zeiten als ich über Ostberlin, der Hauptstadt der Deutschen Demokratischen Republik, mit einem Zwischenstopp in Prag nach Kreta reiste. Von Westberlin fuhr ein Transit Bus nach Schönefeld, dem Bewohner der DDR blieb diese Freude verboten, zur Erholung in ein südeuropäisches Land zu fliegen, die DDR und ihre sozialistischen Bruderländer füllten ihre Devisen Konten mit westlicher Dekadenz auf. Diese Flugreisen blieben nicht nur den Wohlhabenden vorbehalten in der alten BRD.

Mein Vater verbrachte mit seiner zweiten Familie die Sommerferien an der holländischen Nordsee Küste, Bergen am See. Ich durfte eine Woche dazu kommen.
Ich glaube so richtig willkommen war ich bei seiner zweiten Ehefrau nicht, deswegen wurde der Aufenthalt auf eine Woche verkürzt. Ich flog also der Familie, zu der ich nur in seltenen Momenten zugehörig hinterher. Warum mich ausgerechnet das Bilderbuch erinnert, kann ich nicht ermessen.
Während des unruhigen Fluges, muss ich dringend zur Toilette, ich sehe keine Möglichkeit durch den engen Gang dahin zu kommen. Die angesprochene Stewardess entgegnet meiner bescheidenen Anfrage, sie haben doch den jungen Mann dabei. Fabi reagiert eingeschüchtert. Ich hatte extra über ein Reisebüro gebucht, mit der Idee dicht an der Toilette platziert zu werden, mehr als den elektronischen Rollstuhl anzumelden wurde vom Reisebüro nicht vollbracht.
Ich erinnere frühere Flüge bei denen Menschen mit Behinderung zu erst an Bord gingen und Plätze mit Beinfreiheit in der Nähe von Toiletten bekamen.
Ich erinnere mich, dass ich auf jedem der Flüge von Ostberlin starke Angst vor dem Absturz hatte. Heute hat mich sowohl der starke Schub beim Start, als auch das unruhige Wetter kalt gelassen.

Ich hatte gestern noch ein Erstgespräch. Eine junge Frau die als Vermittlungsfall über die Terminservice Stelle, die 116 117 kam. Ich bin verpflichtet gelegentlich diese Psychotherapeutischen Sprechstunden anzubieten. Eine junge Frau, Ende des letzten Jahrhunderts geboren, nahm den vierten angebotenen Termin an. Viele ihrer Altersgruppe, die mein Behandlungsschwerpunkt geworden ist, wirken auf mich komplett „lost“.
Sie haben zumeist nicht ein seelisches Problem, sie wirken in ihrer gesamten Persönlichkeit zerbrechlich.
Unabhängig davon, ob sie mit akademischen Abschluss aus gutbürgerlichen Hintergrund kommen, oder eher aus dem sozialen Abseits, mit oder ohne Migrationshintergrund, spricht mich ihre Verlorenheit an.
In der Gegenübertragung, dass ist das Unbewußte, dass im Therapeuten mobilisiert wird, werde ich zur Beschützerin, vielleicht sehe ich auch einen unbewußten Anteil von mir.
Ich war in dem Alter am Ende meines Psychologie Studiums, und wusste auch überhaupt nicht wohin mit mir.
Ich war noch auf der Suche nach Zugehörigkeit, heute habe ich eingesehen, dass es für mich Zugehörigkeit nur in Momenten gibt, etwa als im Gespräch mit der neuen Patientin ein Regenbogen über meinem Garten auftratt, für mich eine Brücke, dieser Bogen zwischen uns.

Es gibt Momente in meiner Arbeit wo eine Kommunikation von Unbewußtem zu Unbewußtem existiert. Es gibt einen kurzen intensiven Blick von Seele zu Seele.
Ein anderes Phänomen beschäftigt mich zugleich. Eine Patientin schreitet tief verzweifelt monatelang durch eine Todeszone in ihrer Seele, Dysthemie und schwere depressive Episoden, sind die Labels der Fachwelt.
Dann gibt es diesee wunderbaren Momente, wo Therapeut und Patient spüren, etwas hat sich verändert, Zuversicht macht sich breit.
Die Blumen in meinem Garten werden wahrgenommen, ein Kanal zur Musik öffnet sich.

Eine Patientin berichtet, dass die einzig hellen Momente Rapp Konzerte sind.
Sie findet bei Kontra K ihr Unglück beschrieben, ein Moment der Zugehörigkeit.
Es sind diese Begegnungrn in meiner Arbeit die mich erfüllen, diese Prozesse zu begleiten.
Für diese Öffnung braucht es ein Gegenüber, mein Seelentier Molly berührt mich auch tief.
Ich verlasse sie für elf Tage, es fällt mir schwer, es ist eine tiefe Verbundenheit.




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