Im Neusprech würde ich von meinem Learning beginnen.
Ich empfinde Dankbarkeit, dass ich in meiner Kindheit lernen konnte, die Verantwortung für mein eigenes Leben zu übernehmen, dass niemand sonst, schon garnicht der Staat für meine Lebenssituation verantwortlich ist.
Ich habe viel mit der Spießigkeit meiner Postbeamtenmutter gehadert, über ihre Selbstbezogenheit getrauert, hätte mir emotionale und familiäre Unterstützung beim Heranwachsen, und später beim Erwerb meines Psychotherapeutischen Kassensitz gewünscht, meine schwache chronisch kranke und bedürftige Seite hätte das gebraucht, versorgt zu sein, heute bin ich froh Wege gefunden zu haben, mir das Geld zu leihen, und wieder abzuarbeiten.
Durch emotional unzureichende Bedingungen können Kompetenzen entstehen, auf eigenen Beinen stehen zu können, mit wenig zurecht zu kommen.
Die Erfahrung in der Erkrankung verlassen zu werden, mobilisiert kindliche Resilenz.
Die liebende Großmutter, “ dahinten wird es schon helle“, hilft in wolkig stürmischen Zeiten nicht aufzugeben.
Es gibt viele Menschen die nicht lernen konnten, dass man sich nicht darauf ausruhen sollte, vom Staat versorgt zu werden, wenn man selbst potentiell dazu in der Lage ist.
Das andere Schuld am eigenen Unglück sind, ist eine weit, über Generationen hinweg, tradierte Haltung, früher besonders auf jüdische Deutsche fokusiert, jetzt haben wir einen Millionär zum Bundeskanzler, der Muslime über sein Stadtbild herabsetzt, und Frauen für sein rassistisches Weltbild instrumentalisiert.
Seit Angela Merkels legendären Satz :
“ wir schaffen das“, angelehnt an Barack Obamas:“Yes we can“ , eignen sich für die Schuld an dem eigenen Unwohlsein, wahlweise die ehemalige Bundeskanzlerin, oder diejenigen die aus unwirtllichen Regionen dieses Erdballs geflüchtet sind. Eigentlich benötigt dieses Land etwa eine halbe Million Zuwanderer pro Jahr, um die Spätfolgen des Pillenknicks demografisch aufzufangen.
Als ich gegen Ende meine Studiums in St. Pauli im Wohnprojekt in der Großen Freiheit lebte, in einem ehemaligen Minnonitischen Pfarrhaus, hatten wir Kontakt zum Leiter des Sozialamtes in St. Pauli.
Er berichtete uns von alteingesessenen Sozialhilfe Adel, Familien die in der dritten oder vierten Generation von staatlichen Zuwendungen leben würden.
Ab und an gelänge ihm das einen jungen Menschen daraus zu begleiten, etwa das jemand einen Schulabschluss und eine Berufsausbildung macht
Solche Menschen gibt es wohl nur noch wenige in den Institutionen.
Ein Patient von mir, mit einer Trauma Folgestörung ist fünfundzwanzig geworden, und bezieht jetzt Grundsicherung.
Er braucht sozialarbeiterische Unterstützung um sich, trotz großer Motivation auf dem Arbeitsmarkt zu organisieren.
Er bezieht diese finanzielle Unabhängigkeit von den Eltern jetzt seit sechs Monaten, zu Beginn wurde ihm eine Maßnahme zur Unterstützung angekündigt.
Bis jetzt ist nichts passiert, alleine schafft er das aufgrund der Panikstörung nicht.
Der eigene finanzielle Spielraum hilft ihm soziale Bezüge zu pflegen, und regelmäßig in einem Fitness Gym auch gegen die Angst zu trainieren.
Die Chronifizierung in der Grundsicherung hat begonnen, eine mögliche Maßnahme in der Rathaus Passage wurde nicht finanziert, da er noch nicht im Leistungsbezug war.
Vereinzelt fokussiere ich in den Sitzungen auf Möglichkeiten der Jobsiche, ist nicht mein Revier. Es ist eine Mischung aus Angst und irgendwann auch chronifizierte Bequemlichkeit, wenn er nicht unterstützt wird bei der Jobsiche, die Eltern sind Migranten der zweiten Generation.
Hier müssten die Sozialarbeiter früherer Generationen tätig werden, denen der Einzelne kleinen Grundkurs Abgrenzung macht, bevor er im Kontakt war, mit dem Klientel. Zweieinhalb Millionen Deutsche sind in der Grundsicherung, wieviel Menschen wären davon zu motivieren, sich aus der Abhängigkeit von staatlichen Leistungen zu befreien.
Zu Zeiten des real existierenden Sozialismus wurde der Bedarf an Arbeitskräften überwiegend aus der DDR gedeckt, ab dem 30 Oktober 1961, zwei Monate nach dem Mauerbau, gab es das Anwerbeabkommen mit der Türkei, für Frauen und Männer aus ländlichen Regionen eine Chance zur wirtschaftlichen und beruflichen Weiterentwicklung.
Zunächst wurden die Arbeitsverträge für wenige Jahre geschlossen, bis die Industrie Betriebe es leid waren, ständig neue Arbeitskräfte einzuarbeiten.
Die türkisch stämmigen Zuwanderer integrierten sich gut in die betrieblichen Strukturen, wurden aber auch gesellschaftlich Projektionsflächen für das Othering, die Schuld an subjektiven und gesellschaftlichen Schieflagen.
Beruflich bin ich auch mit Menschen konfrontiert, die diese Lektion, der Eigenverantwortung in ihrer Kindheit nicht lernen konnten.
Sie haben keine stabilisierenden Erfahrungen mit Erziehungsberechtigten gemacht, die Halt und Orientierung geben konnten.
Sie haben nicht das Vermögen stehen zu bleiben, wenn sie mit Gegenwind konfrontiert sind, oder wieder aufzustehen, wenn sie gestolpert sind.
Ich hatte vor zehn Jahren einen Patienten, der war einige Wochen in der Psychosomatischen Klinik Bad Bramstedt.
Er berichtete, dass es unter den Patienten einen Wettstreit gab, möglichst eine Persönlichkeitsstörung diagnostiziert zu bekommen, damals war Borderline noch die Königsklaasse noch die emotional instabile Persönlichkeitsstörung, Borderline, an der Grenze zwischen Psychosen und Neurosen.
Bei der Durchsicht meiner elektronischen Patienten Akte, konnte ich einsehen, dass mein Psychoanalytiker mir vor fünfundzwanzig Jahren einmal auch eine Borderline Persönlichkeitsstörung diagnostiziert hat, die Krankenversicherung hat alle alten Befunde hochgeladen, das kann jetzt auch jeder Arzt lesen, bei dem ich meine Versichertenkarte einziehe. Mir gegenüber hat Dr. Friedrich behauptet, er hätte die neurotische Depression diagnostiziert.
Er hatte einmal mit Professor Weber gestritten, der mir die“ ich hatte schon als Kind schon schlechte Laune“, Dysthymie diagnostiziert hat
Meiner Erfahrung nach, ist eine Diagnose immer eine Interaktion zwischen zwei Personen in einer spezifischen Situation.
In den fünf Jahren, in denen ich für die Rentenversicherung, die IRENA Nachsorge Gruppen leitete, hatte ich immer mal wieder seelisch stabile Teilnehmer, die mit einer Borderline Diagnose ausgestattet wurden, die nicht in das Krankheitsbild passten.
Irgendwann fragte ich nur noch,“ hatten Sie Auseinandersetzungen in der Klinik.‘
Die Frage wurde in der Regel, mit einem Grinsen bejaht, meist ging es um wesentlicheres als das Essen.
Ich schloss daraus, dass Therapeuten und Ärzte unangepasstes Verhalten mit Persönlichkeitsstörungen, in der Diagnostik beantworten, micht jede dieser Diagnosen ist zwangsläufig falsch, aber auch in einer therapeutischen Beziehung besteht ein Machtgefälle, bei aller Intersubjektivität in der Begegnung.

Ich war damals emotional instabile, und ungeheuer wütend, weil ich mich nicht von meinem Analytiker verstanden fühlte, und dass der Partner den ich durch seine Lebenskrise manövrierte, mich mit MS-Diagnose verließ, und sich einem esoterischen Frauenwunder, in unserer gemeinsamen Wohnung hingab.
Er wollte mir dann Magnetdecken, und Einlegesohlen gegen die Erkrankung verkaufen.
Sein Plan war dann auch mir die Wohnung zu entziehen, Dr. Friedrich fragte, ob die Wohnung schön ist, als ich bejahte, sagte der Analytiker, „dann soll der gehen“, so wurde es dann auch.
Rückwirkend gesehen, war ich mehr in meine Vorstellung über die Beziehung verliebt, als in die Situation selbst.
Viele damals diagnostizierte Borderliner, sahen in der Diagnose nicht den Auftrag an sich für stabile Binnen- und Außenbindungen zu sorgen, sondern sahen darin einen gesellschaftlichen Auftrag, sie bis an das Ende ihrer Tage zu alimentieren Kürzlich nahm ein junger Mann den mühevollen Weg der Veränderung auf.
Zu Beginn der Behandlung sagte er, konfrontiert mit meinen Einschränkungen, er könnte es sich weder körperlich noch seelisch vorstellen zu arbeiten, sich selbst über das Aktuelle hinaus vorzustellen, ist eine differenzierte Entwicklung.


Heute würden viele der damaligen Borderline Patienten in der neurodiversen ADHS-Diagnose landen, die Schwierigkeiten der emotionalen Regulierung ist beiden Störungen gemein.
Neuere Forschungen belegen, dass sich auch eine Borderline Störung verwachsen kann, mutmaßlich hilfreich können professionelle und sonstige stabilisierende Beziehungen sein, vielleicht wird die Langzeit Forschung auch bezüglich der Neurodiversitäten ein Entwicklungsspektrum beobachten. In einem Online Vortrag vom UKE beobachten zwei Forscherinnen, ADHS Symptome auch als Trauma Folge, bei anwesenden väterlichen Bezugspersonen, körperliche Strukturen können lebensgeschichtliche Ereignisse abbilden. .
Mein Lernen für mich und im Patienten Kontakt, ist die Unterstützung bei der Übernahme der Selbstverantwortung und Kontrolle.
Es erinnert mich an die Diskussionen der Frauenbewegung, in den Achtzigern, wenn ich mich nur als Opfer betrachte, fehlt das Subjekt der Selbstbefreiung.





Schreibe einen Kommentar