Beim samstäglichen Entspannen mit dem Molliie Suit, ein Anzug mit achtundsiebzig Elektroden, zur Regulierung meiner Körperspastik, in der kalten und feuchten Jahreszeit habe ich immer etwas mehr von der Erkrankung, blicke ich in einen blauen Himmel, drei Rosenköniginnen schenken mir ihre Pracht.

Ich blättere ein bisschen durch TikTok, früher wäre es eine Illustierte wie der Stern gewesen, meine Aufmerksamkeit springt von Thema zu Thema, ein bisschen Palästina, ein paar Katzen Filme und dann eine Kollegin, die die neusten Schreckensnachrichten bezüglich der Psychotherapeutischen Versorgung verkündet. Bislang hieß es in der Referentenentwurf, schwer psychisch Erkrankte wären von diesen Einsparungen ausgenommen. Wer den Schweregrad diagnostiziert, blieb bislang verborgen, das Neuste, was die Kollegin zurecht empört berichtet ist, das auch für diese Menschen nur noch eine zwölf Sitzungen umfangreiche Akutpsychotherapie ohne Budgetierung möglich sein. Bei schwer Kranken, ist nicht nur das Vertrauen in sich, sondern auch die Außenwelt verloren gegangen, andere Menschen waren nicht hilfreich stabilisierend, sondern eher unzuverlässig, kränkend und wie ich es aktuell mit einem neuen Patienten im Alter von fünfundzwanzig und einer gleichalten jungen Frau erlebe, die zu früh elternlos geworden geworden sind.
Die Väter wanden sich nach Trennungen von den Müttern von den Kindern ab, die Mütter verstarben vor der abgeschlossenen Autonomie Entwicklung.
Jede Woche melden sich fünf bis zehn Patienten in dringender Suche nach Hilfe, meist unter dreißig Jahre.
Sie werden nicht nur mich anmailen, bei Menschen die mich namentlich anschreiben antworte ich immer, leider ist insgesamt wenig Sorgfalt bei der Praxenauswahl, jemand der eine Verhaltenstherapie sucht, sollte keinen Analytiker oder mich anschreiben.
Die beiden neuen Patienten sind in meinem Erleben vollkommen „lost“, verloren, sie haben keinen Halt, und keine Orientierung, es wird eine längere gemeinsame Reise.
Ich habe die Not nach Halt und Stabilisierung zur Autonomie Entwicklung bei Beiden gesehen, es braucht erstmal Halt, Stabilisierung in der Therapeutischen Beziehung, da ist die Basis erst nach drei Monaten für Entwicklung gelegt.
Dann sähe meine Arbeit zukünftig so aus, diesen Menschen ein therapeutisches Angebot zu machen, das nach drei Monaten endet, wenn ich meine Arbeit nicht ehrenamtlich fortsetzen möchte.
Der Patient kann dann aber in die nächste Praxis gehen und drei Monate neues Vertrauen aufbauen, dann nach weiteren drei Monaten erneut wechseln.
Vielleicht sollte ich eine Patienten Tauschbörse per App gründen, früher nannte man das antherapieren im stationären Drehtür Effekt.
Ich gehe seit sieben Jahren zum Therapeutischen Reiten, ich habe das auf einer neurologischen Rehabilitation in Plau am See kennengelernt. Ich fahre jeden Donnerstag Vormittag nach Henstedt-Uhlsburg zu Susanne und Yaslynn einer sanftmütigen Tinker Stute.
Susanne macht das mit großem Engagement ehrenamtlich, die Kostenbeteiligung dient zur Versorgung ihrer drei Pferde. Es ist mittlerweile sehr mühevoll geworden auf das Pferd hinauf zu kommen, mit Unterstützung gelingt es.

Vor einigen Jahren assistieren mir Alena beim auf das Pferd hinauf und hinunter kommen. Sie ist nachdem sie aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in ihren erlernten Beruf als Gärtnerin in die Selbstständigkeit als Betreuungsdienst gegangen. Finanziert wurde meine Hilfe, beim Reiten, für andere Kunden von ihr, Fahrten zu Ärzten und Einkaufen, und Haushaltsdienstleistungen über den Entlastungsbeitrag in der Pflegekasse, und auch die Verhinderungspflege, wenn sie Angehörige vertrat. Diese beiden Finanzierungsmöglichkeiten, die eingeschränkten Menschen wie mir, die man über das ganze Jahr verwalten konnten, sind nach dem Kabinettsbeschluss am letzten Mittwoch ab 2027 gestrichen.
Eine Sozialraum Budget genannte Leistung bekommt vierzig Euro mehr im Monat, muss aber monatlich verwendet werden, keine Flexibilität, kein Ansparen mehr, und nur noch eingetragene Dienstleister,
Alena wird ihre Angestellten kündigen, Frauen die den Nebenverdienst im Minijob aus materiellen Gründen benötigen.

Der Plan dieser Regierung scheint es zu sein, alles was den Alltag für gesundheitlich benachteiligte ein bisschen erleichtert hat, zu zerstören.
Ich werde ab 2017 monatlich 1400 Euro Kranken- und Pflegeversicherung bezahlen, bei ab Mitte des Jahres deutlich schrumpfenden Einkünften.
Der Beitrag für freiwillig gesetzlich Versicherte, wird nicht nach dem Gewinn, sondern nach dem Umsatz veranschlagt.
Der aktuelle Beitragssatz beträgt 1198 Euro, ich zahle den Beitrag auch auf meine Personalausgaben.
ich balanciere auf einem sehr schmalen Grad, wie eine Seiltänzerin auf einem Drahtseil, rechts und links der Abgrund, eine Stange zum balanciereren.
Noch kann ich das Halten, die fehlende Anerkennung meiner beruflichen Leistungen, ich habe fast 700 Patienten aus ihren Krisen begleitet, verletzt mich persönlich. Ich halte mich bereit für Menschen in seelischen Nöten, mache oft Zusagen über die vorher beschlossenen Grenzen, wenn es wirklich dringend ist, und freue mich mit, wenn das Strahlen zurück in die Augen kommt. Das ist etwas kostbares, dabei zu sein, wenn der Moment da ist, wieder zuversichtlich weiter gehen zu können, Abhängigkeiten von maligen Beziehungen oder Zuwendungen des Jobcenters überwunden werden.
Entwertungen seit früher Kindheit, eines miesen Vaters, tandalieren personalisiert, psychodynamisch ein Introjekt, fast Teil der Persönlichkeit geworden, dieses „fast‘ ist das Einfallstor für die Veränderung.
Das dauert dreißig Stunden, bis Zuversicht einsickert.
Ich war auch fast einige Male dicht an der Resignation, aber durch die tragende Beziehung konnten wir uns zusammen durch arbeiten, jetzt verändert sich die Beziehung zu sich langsam,
sie beginnt zu reflektierten, dass die Schwierigkeiten in Beziehungen zu Männern ein Schatten des entwertenden Vaters sind, das pauschale Schuldgefühl schwindet, wird bettachtbar.
Ihre Destruktivität mit sich auszuhalten kostete viel Kraft, immer gegen halten, etwas beginnt sich emotional zu wandeln, ein langer Weg liegt noch vor uns.
Veränderungen müssen antizipierbar werden.

Ich bekomme eine Email von einer Privaten Universität, sie möchten eine Rückmeldung bezüglich einer Studentin die hier im Sommersemester ein Praktikum im Masterstudium gemacht hätte, sie möchten evaluieren wie die Zusammenarbeit mit den Praktikumsstellen verbessert werden kann. Ich kenne die junge Dame, aber sie hat hier im Sommersemester keinerlei Praktikum gemacht, mutmaßlich wurde mein Stempel kopiert, oder im letzten Jahr eingesetzt. Ich möchte nicht für sie lügen.
Ich möchte auch nicht in die Situation gebracht werden, darüber zu entscheiden, ob sie ihren Abschluss machen kann, sie zwingt mir Loyalität auf, die sie in ihrer Tätigkeit hier zum Schluß nicht gezeigt hat.
Ich leite die Email Anfrage der Universität an sie weiter, sie zahlt 850 Euro pro Semester, es ist ihre Verantwortung die Situation zu klären.
Ich möchte nicht für sie lügen, und werde in ein moralisches Dilemma gezwungen.
Für meine Psychotherapeutische Approbation musste ich ein polizeiliches Führungszeugnis vorweisen, ich sorgte mich unnötig wegen einer Festname bei einer Hausbesetzung mit Anfang Zwanzig.
Wenn die Abitur Note nicht ausreichend für den Numerus Clausus ist, bei Psychologie ist um die 1,0 kann man durch die Studiengebühren eine hochwertige Ausbildung erwerben.
Ein Praktikum in einer Psychotherapeutischen Praxis, vor dem Beginn einer Psychotherapeutischen Ausbildung erscheint mir sinnvoll, die Plätze sind begrenzt, die Universität vermittelt Plätze bundesweit.
Ich habe sehr viele Anfragen von Praktikanten, manchmal nehme ich jemanden, wie zuletzt einen Maschinen Bauschlosser, der um Dreißig einen neuen Weg gehen wollte, die Zusammenarbeit war bereichernd.
Ich bastel an Werbung für meine Online Psychotherapie als zur Finanzierung meines Lebens ab dem kommenden Jahr



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