Nicht mehr auf meine Kosten

Eine Patientin, die im öffentlichen Dienst beschäftigt ist, sagt in einem Quartal zum vierten Mal am Tag der Therapie Sitzung ab, mit wechselnder Symptomatik.

So dass es keine Chance gibt, dass jemand anderes den Termin erhält.

Bislang habe ich keine Ausfallhonorarausfallrechnungen für Termine erstellt, die kurzfristiger wie 24 Stunden vorab gekanzelt wurden, die meisten Praxen handhaben dass so.

Wenn diese Absagen häufiger kamen, sah ich Gesprächsbedarf über den Verlauf, eine Erwähnung im Konjunktiv schuf meistens Abhilfe.

Psychodynamisch können diese Vermeidungen auch als Widerstandsphänome im Therapie Prozeß definiert werden.

In dieser Konstellation erlebe ich eine passiv-aggressive Übertragung von den Gefühlen der Aufopferung für andere, insbesondere die Mutter.

In ihrer Rehabilitation in Bad Bramstedt fühlte sie sich sehr gut gesehen von einer Schmerztherapeutin, die eine Indikation zur Verrentung sah, die Patientin befindet sich finanziell nach der Aussteuerung nach 78 Wochen Krankengeld im zweiten Jahr des Arbeitslosengeldbezuges, Mitte nächsten Jahres ist Schluss, dann muss sie an das wenige in vierzig Jahren ersparte, und Grundsicherung beantragen.

Sie raucht seit fast fünfzig Jahren Kette, das Gesicht ist grau, der Husten stark, darüber darf in der Therapie nicht gesprochen werden, auch nicht über das benötigte Geld dafür, jährlich über tausend Euro m.

Die Mutter der Patientin ist im Beginn einer Demenzerkrankung, die Patientin hat sie in einer WG untergebracht, dort wird viel Beteiligung der Angehörigen erwartet. Die Patientin bringt sich engagiert ein, durch ihre Professionalität werden ihr verantwortliche Aufgaben übertragen. Ich versuche zu thematisieren, wo ihre Wut bliebe, sie dementiert die Existenz. Dafür schlägt mir sie mehrmals entgegen. Für diese Woche erging wieder eine Absage anlässlich von Symptomen die ein Verlassen der Wohnung nicht zuließen.

Die Wut übertrug sich auf mich.

Ich wollte eigentlich im Gespräch vermitteln, dass ich auch aufgrund der zukünftig reduzierten Fallzahlen, Verbindlichkeit und Ausfallhonorare verlangen werde, zusätzlich die Alternative der Video Sprechstunde anbieten werde.Ich blieb auf meinem Gesprächsleitfaden sitzen, die Manifestation ihres körperlichen Leidens wurde priorisiert vor der Bearbeitung ihrer psychischen Dynamik. Ich überlegte ob sie mit meiner sichtbaren Erkrankung konkurriert, auf der inneren Bühne stellvertretend für die psychisch instabile Mutter. Die Bearbeitung wird vermieden, häufig brachte sie nach vermiedenen Terminen Kuchen, auch für den Praxis Mitarbeiter mit.

Ggrundsätzlich schätze ich Backwerk, es hatte für mich etwas nötigendes, ähnlich dem Kochen und Backen meiner Mutter um Anerkennung.

Es ist immer Verzweiflung und Ohnmacht auf den Kuchenteller.

Ich mache sie darauf aufmerksam, dass ich nur mein Honorar erhalte, wenn eine Sitzung stattfindet, im Angestellten Verhältnis ist es anders.

Wenn ein Klient nicht erscheint, gibt es keine Abzüge beim Gehalt,

wenn ich krankheitsbedingt Termine absage, gibt es kein Honorar, meine Absicherung durch das Krankengeld der TK beginnt nach der dritten Woche.

Ich will mich darüber nicht beklagen, aber dreimal „ich fühle  mich nicht“ an einem Tag von Patienten funktioniert spontan nicht,

werden die vierundzwanzig Stunden eingehalten, findet sich bei Absage fast immer jemand der meine Unterstützung sucht, und den freien Termin übernimmt.

Manchmal ist eine spontane Absage auch ein Zeichen, ich möchte mehr bedauert werden, bin weniger an Veränderung interessiert.

Ein grundsätzliches Paradox existiert in jeder Behandlung.

Ich kenne es aus eigener Erfahrung.

Zum einem der Wunsch in seiner Einzigartigkeit, in seinem Leiden angenommen und verstanden zu werden.

Therapie Forschung belegt, dass das Gefühl vom therapeutischen Gegenüber bedingungslos akzeptiert zu sein, ein entscheidender Wirkfaktor ist.

Zum anderen dämmert bei der Entscheidung therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen, die Erkenntnis, das es in dem eigenen ’so sein‘, eine Quelle der lebensrelevanten Probleme ist.

Die Notwendigkeit im eigenen Universum der persönlichen Unfehlbarkeit Anpassungen vorzunehmen, ist sehr schmerzhaft.

Elbe abwärts

Die Erkenntnis, dass das Leid dass einem durch familiäre Konstellationen, gesellschaftliche oder weltpolitische Konstellationen verursacht ist, Ungerechtigkeit bedeutet ist der eine Strang, die Erkenntnis dass niemand dieses Unrecht ausgleicht, ist die schmerzhafte Erkenntnis.

In religiösen Weltbildern wird dieses irdische Leid im Jenseits durch eine Gott gegebenen Erlösung kompensiert.

Mein persönliche Erkenntnis seit dem ich schwer krank bin, ist es dass ich alles was selbstverständlich erscheint, etwa durch sozialsstaatlich gute Gesetze, etwa das Recht auf Arbeitsassistenz bei Schwerbehinderung über einem Grad der Behinderung von 50 Prozent immer wieder neu erkämpft werden muss.

Das Recht auf Arbeitsassistenz, aus Mitteln der Ausgleichsabgabe, Geldern von Unternehmen, die sich von der Pflicht freilaufend, zu einem kleinen Anteil Schwerbehinderte zu beschäftigen, ist ein sehr inklusiver Ansatz.

Schwerpunktmäßig fließen diese Gelder in Behinderten Werkstätten, die eigentlich Arbeitsplätze in der Gesellschaft akquirieren sollen, häufig „geschützte“ Arbeitsplätze in Werkstätten betreiben. Kürzlich lass ich von einem jungen Mann mit Beeinträchtigungen, der eine Zugehörigkeit zu dem Team einer Gastwirtschaft in St. Pauli, durch Unterstützung erlangte.

Bei mir helfen die Arbeitsassistenten bei manuellen Aufgaben, die Bürokratie die mich manuell überfordert.

In einem vom Integrationsfachdienst erstellten Gutachten standen mir bei Pflegegrad 3 18 Stunden Unterstützung um meine eigentliche Arbeit zu, dazu gehört auch Weiterbildung, bei mir in diesem Jahr eine Weiterbildungsreise zu den Lindauer Psychotherapie Tagen.

Die achtzehn Stunden wurden eine kurze Zeit auch ausgezahlt, zur Beschäftigung von zwei Minijobbern, dann wurde mir mitgeteilt, dass sich das Integrationsamt nicht an eigene Gutachten halten müsste, es wurden nur noch fünfzehn Stunden ausgezahlt.

Die Mitteilung dazu war, man müsste sich nicht an eigene Gutachten halten.

Ich war müde und kraftlos des Streitens, finanzierte meine Hilfe aus meinem Budget, Widersprüche kosten

Kraft. Jetzt kam der nächste Einschnitt, unter einer verzwirbelten Begründungen, das ich Pakete mit einer App empfangen und verschicken könnte, wurde mir eine weitere wöchentliche Stunde Unterstützung genommen. 

Die Begründung erinnert mich an meine gewerbliche Tätigkeit bei Beiersdorf nach dem Abitur, wenn der Akkord bemessen wurde. Jetzt fehlt mir 18×52×18 Euro im Jahr. Das sind über 16 000 Euro die für meine Altersvorsorge fehlen.

Jetzt habe ich im August diesbezüglich einen Brief an die Leitung des Integrationsamtes geschrieben, kürzlich schreibt die Sachbearbeiterin,die überwiegend im Home Office tätig ist, deswegen Anfragen oft nicht beantworten kann, weil die Unterlagen aus Datenschutz Gründen nicht zur Einsicht vorliegen,

man könnte meinen Einspruch erst bearbeiten, wenn ein anderes unterbesetztes Amt, die Eingliederungshilfe meinen Einspruch geben die Ablehnung meines Antrages bearbeitet hätte.

Den Antrag auf Eingliederungshilfe habe ich gegen meine Einschätzung auf Raten des Integrationsamtes gestellt, für die Freizeitassistenz.

Die Stadt Hamburg steht Schwerstbehinderten wöchentlich zwei Stunden Teilhabe am sozialen Leben zu, soviel Großzügigkeit, zwei Stunden wöchentlich für Natur, politische Bildung, Kultur, die acht Stunden monatlich bedeuten letztlich effektiv eine begleitete Aktivität im Monat muss genügen, wäre ich  nicht berufstätig bekäme ich 520 Euro monatlich um die Ziele der UN Behinderten Konvention zu verwirklichen.

Ich bekomme das nicht, da kann ich mit Leben, meine Berufsausbildung ermöglicht mir ein geregeltes Einkommen zur Finanzierung von Hilfen, aber mir diesbezüglich meine Arbeitsassistenz zu verweigern, mit der ich dieses Einkommen erwirtschafte ist zynisch.

Die KI rät zu einem Widerspruch, wenn nicht abgeholfen wird zu einer Klage.

Ich schreibe eine Beschwerde an die Leitung beider Behörden, mit der Bitte um ein persönliches Treffen, im Anhang die Korrespondenz mit Eingliederungshilfe und Integrationsamt.

Eine verwitwete Patientin erzählt von ihrem verstorbenen Ehemann der zur See fuhr, und sich gewerkschaftlich für Seeleute engagierte, als auf deutschen Schiffe noch nach deutschen Tarifen entlohnt wurde.

Heute fahren alle Schiffe deutscher Reeder unter anderen Flaggen.

Jürgen, der dritte Ehemann meiner Mutter betrieb das Geschäft.

Dieter, der Ehemann der Patientin Helga, brauchte noch mindestens fünfzehn Monate deutsche Heuer, um die Seefahrer Rente zu erhalten.

„Er stand bei den Reedern auf einer schwarzen Liste“ berichtet sie.

„Der war wie sie, hat auch immer gekämpft.“

Das Kompliment nehme ich gerne an.

Sie erinnert sich an einen Bericht des NDR Hamburg Jornals von 1994.

Ich schreibe den NDR an, freundlicherweise bekomme ich den Film per Mail, wir schauen ihn zusammen an.

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Herzlich Willkommen

Danke, dass du vorbeischaust! Ich bin Kathrin Köpp, psychologische Psychotherapeutin aus Hamburg. Neben meiner Arbeit in der Praxis biete ich eine Online-Beratung für Krisensituationen und diagnostische Einschätzungen für Selbstzahler ohne Wartezeit an. Auf diesem Blog möchte ich mit dir Geschichten aus meinem beruflichen und privaten Alltag als von MS-Betroffene teilen. Meine wichtigste Mitarbeiterin ist Miss Molly, nach zehn Jahren als Hauskatze auch als Queen Mom bekannt. Besonders bei ängstlichen und depressiven Patientinnen ist sie ein wertvoller Teil meines Teams.

Besuch gerne meine Homepage: Tiefenpsychologisch fundiert – Psychodynamisch fokussiert – Home

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