Dahinten wird es schon heller

Villa Horizon, wir sind kaum angekommen, Google verlangt schon eine Bewertung. Ein schönes Haus, oben auf dem Berg, ein Panoramoblick über die schwarzen Wolken über das Meer.

Wir verfahren uns mit der Google Navigation, die steilen engen Straßen mit den ausladenden Kurven führen uns hoch oben auf ein Plateau, die Ängste vor der unbekannten Situation, eskalieren in der Vorstellung, Opfer ein Betruges zu sein, die Vermieterin fährt uns entgegen, nach dem wir ein Orientierungsbild per Messenger geschickt hatten.

Ich habe das Anfahren am Hang mit dem Schaltwagen vor über vierzig Jahren mit der Handbremse gelernt, die man dann ganz langsam mit der kommenden Kupplung loslässt, und das Gas durchtritt und nach Vorne schießt, mein letzter Schaltwagen musste 2014 gehen.

In der Mitte von Nirgendwo

Ich habe es geliebt mit meinem Kleinwagen dicke Wagen an der Ampel abzuhängen, deren Fahrer das meist nicht mochten. Das hat mir viel Freude bereitet, leider versagte MS bedingt die Koordination des Wechseln vom Gas zur Bremse mit dem rechten Fuß, mit dem Arm nachzuhelfen war keine gute Idee, so musste ich nach einem Gutachten bei einem Verkehrsmediziner auf Automatik wechseln, zunächst manuell wurde ein zweites Gaspedal links  außen im Fußraum montiert, zum abschrauben, dass das Fahrzeug zugleich für Normal Automatik Betrieb nutzbar ist.

Ich machte ein paar Fahrstunden, um die Koordination zu verinnerlichen, dann eine Fahrprüfung beim TÜV und ich konnte wieder fahren, mit der mir vorher verachteten Automatik.

Das schnelle Anziehen an der Ampel fehlt mir  weiterhin, nach einer längeren Fahrpause nahm ich erneut ein paar Fahrstunden bei der Fahrschule Brandt, die sich auf spezielle Anliegen spezialisierte, immer sehr motivierend.

Das Haus ist großzügig ausgestattet.

Ein gebackener Apfelkuchen mit Blätterteig ist zur Begrüßung im Haus.

Private Pool

Zur Kommunikation wählt der Gastgeber Emmanuell die KI, Griechisch muss eine sehr höfliche Sprache sein.

Der Weg vom Einkauf zurück wird von Google Maps geleitet, ähnlich wie zuhause wird nicht immer der kürzeste Weg gewählt. Bei Starkregen im Dunkeln ist der Weg vom Supermarkt am Abhang relativ anspannend. Der fünfzehn Jahre alte Opel Astra nimmt die Strecke relativ gelassen.

„A very warm welcome again.“ schreibt Emanuell&Family. Da ich nur eine Mobilnummer nutze, privat und beruflich, und ich Termine mit meinen Patienten per Messenger koordiere, erreicht mich ein Arbeitsauftrag einer Patientin.

Sie ist Aufstockerin im Niedriglohnsektor. Sie befüllt Modeschmuckaufsteller. Zweihundert Euro erhält sie monatlich vom Jobcenter, ihre Wohnung ist nach Auffassung des Amtes zu groß seit dem die Kinder ausgezogen sind. Eine kleinere Wohnung die sie neu anmietet ist mindestens fünfhundert Euro teurer. Die Patientin ist psychisch nicht besonders stabil, kürzlich hat sie ihren langjährigen Lebensgefährten an einem Herzinfarkt verloren. Er hatte wohl vor, sie materiell durch eine Heirat abzusichern, tat er aber nicht. Er war ein exentrischer Musiker und Grafiker, behandelt sie häufig schlecht.

Das gesamte Erbe ging an seine Töchter aus erster Ehe, die verwiesen sie seiner Wohnung.

Sie hätte gerne aus über zwanzig Jahren Erinnerungsstücke an sich genommen, sie kommt wieder zu kurz.

Ihre Mutter verheimlicht ihr den Namen ihres leiblichen Vaters. Unehelich in den Sechzigern geboren wurde sie von der Mutter in Kroatien bei der Großmutter gelassen, als sie nach Deutschland zum Arbeiten ging.

Ich schreibe für das Jobcenter als Psychotherapeutin seit acht Jahren Bescheinigungen, dass ihre psychischen Ressourcen nicht genügen, dass sie sich auf dem Wohnungsmarkt eine andere Bleibe sucht. Die vertraute Umgebung ist essentiell. Die Mietpreisentwicklung ist auch beim Jobcenter bekannt, und nach jedem personellen Wechsel beim Jobcenter ist eine neue Bescheinigung gefragt, die wird dann dem Psychiater beim Gesundheitsamt vorgelegt.

Ich hatte ihr diesbezüglich langjährige Unterstützung zugesagt. Sie hat große Angst ihre Wohnung zu verlieren, dass macht ihre Forderung etwas zu massiv.

Ich fühle mich von ihr bedrängt, sie verlangt ihre Bescheinigung umgehend.

Etwas in mir möchte sie abwimmeln, sie schlecht behandeln ablehnen.

Viele Ärzte und Therapeuten geben irgendwann dem Impuls des ablehnen nach, acht Jahre überwiegt die Paychotherapeutische Haltung vor der Machtausübung gegenüber einer abhängigen Person.

Von ihrer Mutter fühlt sie sich gegenüber der jüngeren, in Deutschland geborenen Schwester benachteiligt, die Mutter hatte einer Adoption durch den wohlhabenden Stiefvater nicht zugestimmt. Sie ist Kroatin, und hat die Muttersprache verloren.

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Herzlich Willkommen

Danke, dass du vorbeischaust! Ich bin Kathrin Köpp, psychologische Psychotherapeutin aus Hamburg. Neben meiner Arbeit in der Praxis biete ich eine Online-Beratung für Krisensituationen und diagnostische Einschätzungen für Selbstzahler ohne Wartezeit an. Auf diesem Blog möchte ich mit dir Geschichten aus meinem beruflichen und privaten Alltag als von MS-Betroffene teilen. Meine wichtigste Mitarbeiterin ist Miss Molly, nach zehn Jahren als Hauskatze auch als Queen Mom bekannt. Besonders bei ängstlichen und depressiven Patientinnen ist sie ein wertvoller Teil meines Teams.

Besuch gerne meine Homepage: Tiefenpsychologisch fundiert – Psychodynamisch fokussiert – Home

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