Nach einem Sturz aus dem Bett lag sie vier Stunden auf dem Boden und schrie sich vier Stunden lang die Seele aus dem Leib, bis eine mobile Bewohnerin aufmerksam wurde, und das Pflegepersonal alarmierte.

Wurde sie wirklich nicht gehört, oder schrie ihre gequälte Seele öfter, so dass das nicht kümmern eine Sanktion des Personals war ?

Bis zu einer Rückenoperation vor einem Jahr war sie mit ihren vierundachtzig Jahren mit den öffentlichen Verkehrsmitteln mobil, so reiste sie wöchentlich mit dem HVV-Bus von Eppendorf zu ihrer Schwester Eva, meiner zweiten Tante, die ihr als Friseurin die Haare machte.

Die Beiden haben beide das dünne Haar meiner Mutter, alle drei brezelten die Frisur mit Dauerwelle auf.

Meine Mutter niedete mir das dichte Haar meines Vaters, dass sie mir gegen meine Willen bis in die späte Pubertät Abschnitt, “ du hast so schöne Haare“.

Kein Betteln und flehen erreichte sie.

Meine beiden Tanten hatten die Warmherzigkeit ihrer Mutter, meiner Oma Hilda, deren blaue Augen im Frühjahr das Blau des Himmels und der Vergissmeinnicht in ihrem Garten spiegelte.

Im letzten Jahr sass die sanftmütige Heidi, mit meiner Katze Molliie auf dem Schoß.

Im Pflegeheim wurde sie mit Opiaten und Psychopharmaka abgeschossen, so dass sie nur noch vor sich hindämmerte, Bedarfsmedikation, Opiate in einer Dosis, die einen Junkie abschießen könnte.

Bedarf ist dann, wenn sie menschliche Nähe, Wärme bräuchte, und schreit. Keine aktivierende Physio- und Ergotherapie, kein im Rollstuhl in den Garten zum Herbstlaub schauen.

Chemisch an das Bett gefesselt.

Heidi wurde psychotisch diagnostiziert, nach dem sie durch die Privatisierung der Post ihre Struktur gegebende Berufstätigkeit verlor.

Sie fühlte sich verfolgt von Scientologen, Nachbarn, und Geheimdiensten, der Versuch der jüngeren Schwester die Dämonen durch Beten in Schach zu halten scheiterte, zuletzt lebte sie wieder ohne Medikamente, bis zur verpfuschten Rückenpmoperation, vielleicht hätte ein engagierter Physiotherapeut menschliche Wärme und muskuläre Stabilität gebracht.

Ich bin traurig, dass diese herzensgute Frau so wenig Zuwendung bekommt, und unter  dem würdelosem Namen Bewohnerin medikamentös im Bett gefesselt zugrunde geht.

Das christliche Pflegeheim hatte Heidi aufgenommen in dem Wissen, dass die Pflegestation drei Wochen später schließt, also drei Wochen später ein neuer Umzug, mit Umstellung und Anpassung an andere Pflegekräfte und Bewohner ansteht, an dem Tag der ökonomischen Entsorgung meiner Tante ist sie gestorben, genug ist genug.

Mein Besuch am 24.12.2024 wird nicht mehr stattfinden können.

Ich hoffe sie ist bei dem Gott gut aufgehoben, den sie in ihrer Verzweiflung anrief.

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Herzlich Willkommen

Danke, dass du vorbeischaust! Ich bin Kathrin Köpp, psychologische Psychotherapeutin aus Hamburg. Neben meiner Arbeit in der Praxis biete ich eine Online-Beratung für Krisensituationen und diagnostische Einschätzungen für Selbstzahler ohne Wartezeit an. Auf diesem Blog möchte ich mit dir Geschichten aus meinem beruflichen und privaten Alltag als von MS-Betroffene teilen. Meine wichtigste Mitarbeiterin ist Miss Molly, nach zehn Jahren als Hauskatze auch als Queen Mom bekannt. Besonders bei ängstlichen und depressiven Patientinnen ist sie ein wertvoller Teil meines Teams.

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