Entwertung
Ich bin seit über dreißig Jahren in der Versorgung psychisch Erkrankter tätig. Am 11. März haben es die gesetzlichen Krankenkassen durchgesetzt, dass die Honorare der Psychotherspeuten zum 1. April um 4,5 Prozent gesenkt werden.
Ich erlebe das neben den finanziellen Einbußen, als massive Entwertung meiner engagierten Arbeit.
Ich lasse mich täglich intensiv auf Menschen mit belastenden Lebenserfahrungen ein, mißbräuchlichen Kontakten im häuslichen und dem weiteren Umfeld.
Durch aktuelle Debatten etwa über Epstein werden Patienten getriggert, die aktuellen Kriege führen zu erhöhten Belastungen, das spiegelt sich in meiner Arbeit, das dann Honorar gekürzt wird, wenn die Belastungen in unserer Arbeit steigen, empfinde ich als bösartig.
Durch eine schwere Erkrankung bin ich privat auf viel Unterstützung angewiesen, das finanziere ich auch mit meiner Arbeit, zu dem muss ich Rücklagen für das Alter machen.
Geld übrig habe ich schon ohne die Kürzungen nicht.
Wir sind über alle Arztgruppen in der Ambulanten Versorgung am niedrigsten honoriert.
In die ambulante Versorgung der gesetzlich Versicherten gehen jährlich 50,3 Milliarden, der insgesamt 327 Milliarden Ausgaben, etwa 15 Prozent.
100 Milliarden gehen an die Krankenhäuser, 55 Milliarden werden für Medikamente ausgegeben, neunzehn Prozent davon kassiert der Staat an Mehrwertsteuer, während für Katzenfutter, Schnittblumen und Zeitschriften nur der reduzierte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent anfällt.
Die ambulante Psychotherapie kostet jährlich 6–7 Milliarden, das sind insgesamt zwei Prozent der Ausgaben der GKV, die Einsparung ergibt 160 Millionen, das sind 0,05 Prozent der Gesamtausgaben.
Ich bin freiwillig gesetzlich krankenversichert bei der TK, das macht monatlich 1198 Euro an die Techniker Krankenkasse, wenn ich den Beitrag um 4,5 Prozent absenken würde, käme der Zoll und würde für die TK die Beiträge eintreiben.
Mehr wie zehn Jahre bin ich niedergelassen in eigener Praxis, mit einem halben Kassensitz, die Berechtigung mit den gesetzlichen Krankenkassen regulär abzurechnen, musste ich käuflich erwerben von einem Kollegen, der seine Praxistätigkeit reduzieren wollte.
Meine Arbeit macht mir überwiegend Freude, kostet aber auch viel Kraft.
Ich habe aktuell fünfundzwanzig Therapie Stunden in der Woche, dazu regelmäßige Orientierungssprechstunden, und eine verpflichtende telefonische Bereitschaft.
Ich habe neben der Lust an Weiterbildung eine Verpflichtung zum Teil kostenintensive Weiterbildungen zu belegen, die innerhalb eines Fümfjahreszeitraums dokumentiert und überprüft werden.
Bei mir ist, auch durch meine gesundheitliche Situation schon jetzt nichts übrig, von meinem Einkommen im Urlaub war ich über fünf Jahre nicht mehr.
Psychotherapeutin sucht Nebenjob.


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