Bei Mails wie dieser packt mich ein großes Unbehagen, eine Stimme in mir möchte ihn packen, und brüllen, lebe, liebe, reise, du bist jung, tanze, studiere, arbeite, dein Leben findet jetzt statt, es ist nicht drinnen im Therapiermzimmer.
Einmal bei einer ähnlichen Mail konnte ich mir die Reaktion nicht verkneifen,
Ich schrieb ihm, dass es mir wichtig wäre keine neuen Abhängigkeiten zu erzeugen, dass er doch erstmal auf die Nachwirkungen der geleisteten Arbeit vertrauen sollte, darum würde er sich betrügen.
Er könne sich gerne in sechs bis zwölf Monaten melden, wenn er dann abklären möchte, ob wieder ein Behandlungsbedarf bestünde.
Es kam keine Rückmeldung mehr, mutmaßlich ging diese Rundmail an mindestens vierzig weitere Kollegen, ohne sich vorab auf den Websites nach Methoden, Schwerpunkten oder Örtlichkeiten zu informieren, irgendeiner wird sich erbarmt haben.
Gibt es Auswertungen der gesetzlichen Krankenversicherungen, darüber, ob es Versicherte gibt, die über Jahre Therapie an Therapie reihen, die sozusagen in Dauertherapie sind.
Menschen, die ohne Bindungsauftrag an eine professionelle Helferperson sich nicht dem Fluss des Lebens anvertrauen mögen.
Ökonomisch argumentiert wäre festzustellen, dass ein Monat ambulante Psychotherapie weniger kostet als ein Tag Krankenhaus Behandlung, viele dieser Dauerbedürftigen arbeiten, und zahlen ihre Krankenkassenbeiträge, andere beziehen phasenweise Krankengeld über 78 Wochen maximal pro Krankheitsfall, und taumeln über den Bezug von Arbeitslosengeld in langjährige Erwerbsunfähigkeitsrentenverfahren, die meist alle erarbeiteten und geerbten finanziellen Ressourcen der Betroffenen verbrauchen, ein Verfahren hält die Betroffenen über drei bis vier Jahren in der Ungewissheit, ob ihre Not gesehen wird, und zumindest die klägliche Erwerbsminderungsrente bewilligt wird.
Bei belastenden und traumatischen frühen Versorgungserfahrungen wiederholt sich die Erfahrung nicht hinreichend versorgt zu werden in der Bedürftigkeit auf der inneren Bühne, manche verschieben die nicht gesehenen kindlichen Bedürfnisse auf staatliche Institutionen, sie geraten in einen Wiederholungszwang, an Personen und Institutionen, zu appellieren, die Ihnen den Anspruch verweigern, minimal materiell versorgt zu werden, und die Anerkennung als krank, nicht eigenverantwortlich für die Not verweigern.
Die Not, nach Rettung zu suchen, überträgt sich auf staatliche Versorgungsinstutionen und Behandler, es existieren kaum persönliche Ressourcen, das eigene Schicksal in die Hand zu nehmen, sie klammern sich an die Therapeutin, das Ziel ist nicht die Arbeit an sich, sondern die Erlösung durch Heilung von außen.
Es werden Serien Mails geschrieben in das Virtuelle, ohne die Websites zu nutzen, sich über Person und Fachlichkeit der Behandelnden zu informieren.
Ein unkluges ineffizientes Vorgehen, Untersuchungen liegen nahe, dass entscheidend für den Behandlungserfolg, die Beziehung zwischen Hilfe suchenden und Helferin ist, die Therapeutin wird durch die Nichtwahrnehmung Ihrer digitalen Visitenkarte auf eine KI Funktion reduziert
Der Aufbau des Arbeitsbündnisses wird an die Behandlerin delegiert, es fällt schwer bis zur Unmöglichkeit konkrete Therapieziele zu benennen.
Es steht im Raum der Wunsch nach gehalten und gesehen werden, auf der therapeutischen Seite der Auftrag die Selbstermächtigung zur Autonomie zu begleiten, gegen regressive Tendenzen zur Autonomie Abgabe.
Heikel ist im Prozess die Beendigung, die Ablösung aus der Behandlungssituation.
Es gilt die erreichte Autonomie zu festigen, statt neuer Abhängigkeiten zu Professionellen zu etablieren.
Es schmeichelt der Seele, die hilfreiche aufdeckende Person zu sein.
Zu Beginn muss das haltgebende im Vordergrund stehen, das Verstehende und Wärmende, wenn es zu behaglich und gemütlich wird, im Behandlungsraum soviel Nähe und Vertrautheit, steht es an Autonomie und Unabhängigkeit zu vermitteln.
Kürzlich las ich, entscheidend für einen Behandlungserfolg sei weniger, dass sich der Therspeut sein Gegenüber verstehen, sondern das Gefühl verstanden zu sein.
Es ist also immer eine Begegnung zwischen zwei Menschen, die sich wechselseitig berühren und begegnen.
Ich auf der Seite die eine korrigierende Erfahrung ermöglichen soll, um frühe Beziehungstraumatas, zwischen zu wenig gehalten sein, oder zu starr umklammert zu sein zu heilen, oder lindern, und auch verstanden sein, um selbst zu verstehen.
Ich weiß aus eigener Erfahrung, mit einer vor über zehn Jahre beendeten Psychoanalyse, dass der innere Prozess weiter geht, die Erkenntnise erschließen sich anders, und geraten in den Dialog mit dem Fluss des Lebens, manches, dass mich damals gekränkt hat, begreife ich heute als Essenz der Behandlung.
Ich war damals erschüttert von einer fiesen Krankheitsdiagnose, und der Erschütterung, in dieser Situation, von der gefühlten Liebe meines Lebens verlassen worden zu sein.
Ich suchte Trost und Einfühlungsvermögen, musste aber die Erkenntnis verdauen, dass die Welt in der Situation, in der ich Schutz und Geborgenheit suchte, nicht freundlich sondern eher extrafies agierte.
„Ohnmacht gebiert Sadismus“ nannte es mein Lieblingsprofessor an der Universität.
Das habe ich erst jetzt viele Jahre später verstanden, wenn du am Boden liegst musst du kämpfen, das fast vielleicht auch der viel zitierte Satz:“ das Leben ist kein Ponyhof“ zusammen.
Um diese Erfahrung der persönlichen Weiterentwicklung, lange nach Ende der Therapie betrügen sich diejenigen, die Therapie an Therapie anschließen
Sie halten sich in professionellen Abhängigkeiten, den toxischen Abhängigkeiten der Kindheit schließen sich langjährige Angewiesenheiten von Professionellen, die mutmaßlich nicht immer der Progression, des Wachstums zu mehr Autonomie und Selbstbestimmung dienen, sondern vielleicht im achlimmsten Fall, Anteile narzisstischen Mißbrauch durch den Professionellen beinhaltet.
Noch jünger und eitler, nahm ich Patiennen in Therapie, die gerade ein bis vier Verhaltenstherapien abgeschlossen hatten auf, in der Professionellen Selbstüberschätzung, als Tiefenpsychologin, tiefer in die dominierende Psychodynamik einzutauchen, und mehr Tieferes und Wahrhaftiges zu bewegen.
Heute frage ich mehr, warum nach einer nichts Tieferes bewegendes therapeutischen Erfahrung, gleich die Nächste angeschlossen wird.
Die Definition von Wahnsinn, mit den gleichen Mitteln ein anderes Ergebnis erreichen wollen.
Gibt es Untersuchungen mit den Daten der Krankenversicherungen, wie viele Patienten Therapie an Therapie anschließen, durch die neue Akutpsychotherapie ist nach sechs Monaten Pause, die Behandlung möglich.
Generieren Therapeuten toxische Abhängigkeiten, aus narzisstischen Mißbrauch, oder eigener Bedürftigkeit nach intensiver und bedeutsamer Kommunikation.
Diese Nähe, stellt sich im überlastet, oder auch manchmal einsamen Alttag nicht selbstverständlich in den eigenen Beziehungen her.
Können Therapeuten angewiesen sein, auf die intensiven und berührenden Kontakte zu ihren Patientinnen, diese Arbeit kann sehr erfüllen, diese Begegnung macht Heilung und Wachstum möglich.
Es ist existenziell, den Patientinnen den Impuls zu geben, diese Vertiefung im Verständnis für sich und andere in den Alltag zu transferieren, um keine neuen Abhängigkeiten über die notwendige Behandlung hinaus zur Therapeutin zu implementieren.
Es ist bedeutend, auch die Kompetenzen der Hilfesuchenden zu benennen, damit diese Selbstwertgefühl und Stabilität zu generieren, um nicht nach Beendigung sofort in die nächste Therapie zu straucheln.
Es besteht die Gefahr die Hilfesuchenden über das was eine gute Bindung zur Behandlung benötigt, hinaus an sich zu binden, es ist auch Aufgabe der therapeutischen Seite, die Ablösung zu fokussieren, Unabhängigkeit und Bindungen außerhalb der Therapie zu intensivieren.
Wenn es zu „wohlig“ wird, ist es Zeit die Beendigung der realen Begegnungen zu antizipieren, darauf zu vertrauen etwas Hllfreiches im symbolischen Raum zu hinterlassen
Eine Patientin gab mir zum Abschied die Rückmeldung, mein Satz
„seien Sie großzügig“ begleite sie im schwierigen und komplizierten zwischenmenschlichen Gemengelagen, die durch die Belastung einer Krebserkrankung, und deren psychischen Nebenwirkungen, gescheiterte Ehe, nimmt sie sich und dem Ex- Partner nicht mehr übel.
In der psychischen Erkrankung der Tochter, in Folge der Trennung können Sie jetzt gemeinsam eine zu bewältigende, gemeinsame Ablösungskrise sehen.




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