Es gibt Patient*innen die für sich sexuelle Übergriffe von Vater oder Mutter vermuten, aber keine konkreten Erinnerungen haben, nur vage Fetzen von Bildern, oder sie waren Zeugen von Übergriffen an Geschwistern.
Der Wunsch dass alles aufzidecken, Klarheit haben zu wollen, im damit umgehen zu können, nachvollziehbar, die Therapeutin nicht als eine sehen zu müssen, die wie oft die Mutter wegschaut, oder selbst die Täterin ist, verständlich.
Ich muss auch bedenken, wen ich wann vor Überflutung mit Traumatischem schützen will, aber die alte Regel der Rettungschwimmer, und Bergretter, Eigensicherung zu erst, gilt auch im Therapeutischen mit arg Belastendem.
Die Wut endlich wissen zu wollen auch um abzuschließen, treibt sie unter Druck Erinnerungen fast erzwingen wollen,,das ist heikel, die therapeutische Beziehung trägt oft noch nicht, und nicht immer gibt es hinreichend stabile Beziehungen im Außen.
Ich möchte sie dann intuitiv davor schützen sich damit zu fluten,
möchte aber auch nicht die sein, die diese Verunsicherung in sich und die Welt thematisch abblockt, und das Thema vermeidet, signalisiert hier bist du damit verkehrt.
Sie mutmaßen oder ahnen, das es in Ihrer frühen Kindheit sexuellen Mißbrauch durch Vater oder Mutter gab, ohne konkrete Szenen erinnert zu haben.
Sabine erinnert Zeugin der Übergriffe des Vaters an der Schwester gewesen zu sein, und fragt sich hat er mir das auch angetan.
Bilder hat sie nicht, an einen sexuellen Mißbrauch erinnert sie sich nicht, aber an gewalttätige und narzisstische Exesse.
Vielleicht ist sie auch die
„davon gekommene“, weil sie für das „Beuteschema“ des Vaters zu alt, zu autonom, nämlich immer mit einer Gruppe gleichaltriger unterweg.
Sie hat unendliche Schuldgefühle, da sie die kleine Schwester davor nicht schützen konnte.
Die Gleichgültigkeit der Mutter, ihr Unvermögen sich unabhängig von dem prügelnden Ehemann zu definieren, da gehört ein Teil der Schuld hin, die die Kinder nicht vor dem gewalttätigen Alkoholiker geschützt hat, weder sich noch die Kinder in Sicherheit bringen konnte, sie hätte mit den Kindern in die USA gehen können, blieb dem Täter Vater verbunden, und verriet die Kinder. Der Vater, dem Täter, ein meist besoffener selbstverliebter Dispot, war frei von Schuldgefühlen, haben meist die Opfer.
Eine Andere lebt mit der Frage, hat er mir das auch angetan, ein anderer hat diffuse Bilder eines weiblichen Körpers über sich, mit unangenehmen bedrängenden Gefühlen, war es die Mutter oder eine betreuende Person.
Ein anderes Mal gibt es Bilder auf einer Festplatte von zwei kleinen Mädchen in unangebrachter Kleidung, und das Wissen von sexualisierten Straftaten an anderen Frauen, aus diesem Wissen kreiert die Patientin bedrohliche Szenen, wie erleichternd wäre eine Wahrheit, es gibt sie nicht, Mutmaßungen, ein Vater der vorher als liebevoll und zugewandt erlebt wurde, dieses innere Bild trägt, soll bewahrt werden, was für eine Zerreißprobe mit den Gerichtsakten, der Übergriffe auf erwachsene Frauen, der gute Vater der sieben Jahre lang im Gefängnis besucht wurde.
So gut das Wissen wollen verständlich ist, nur wie lebt es sich mit den inneren Bildern die dem Vergessen oder der Verdrängung entrissen wurden ?
Können Therapeutin und Patientin in Erwartung schlimmster sexueller Übergriffe, nicht zusätzlich schlechte, falsche Filme Inszenieren und implementieren als falsche Erinnerung, die traumatisch wirken und imaginäre sind. Wie differenziert man wahre von falschen Erinnerungen,
Wie schütze ich mich und die Patienten vor Manipulation, und welche Wahrheit steckt auch in einer falschen Erinnerung
Kann es auch ein individueller Akt des Seelenschutz sein, Schlimmes zu vergessen, oder abzuspalten, um es nicht in Endlosschleifen wieder und wieder zu erleben.
Geht es in der (therapeutischen) Begegnung nicht darum das erlittene anzuerkennen,und Woltemade Hartmann, das Traumatische zu integrieren, als unangenehme Erinnerung zu transformieren.
Wie dicht es nötig ist für die Anerkennung gemeinsam heranzuzoomen an das Geschehen, oder wie mit einem VHS Video Recorder zurück zu spulen, ist individuell zu begreifen.
Meine Befürchtung ist, das Therapeutin und Patientin in Erwartung des Schreckens, gemeinsam Filme Inszenieren in Trance oder hypnoider Regression, die so nie stattgefunden haben,
oder durch Wiederholung realen Geschehen Retraumatisierung verursachen
Könnte nicht die therapeutische Empathie und die Selbstfürsorge auch mal da stattfinden, wo jemand verunsichert und entsetzt ist, dass Eltern mutmaßlich nicht die körperlichen und seelischen Grenzen eingehalten haben, die ihre Schutzbevollenen benötigt hätten, zur Entwicklung, ohne sich allen Details wieder auszusetzen.
Wir benennen das Geschehene als Unrecht, betrachten es mit etwas Distanz, zum Schutz, ohne den Affekt aufzurütteln,und die Bilder durch Wiederholung zu intensivieren.
Es gibt imaginäre Trauma Therapien Verfahren, die schlimmen inneren Bilder in Tresore und Truhen zu phantasieren, das sie die Gegenwart nicht mehr überfluten. Wir sollten versuchen, dass der Eigenschutz vor „flashbacks“ eine gesunde Bewältigung ist, um mit der Aufmerksamkeit in der Gegenwart zu bleiben.
Mein Vater berichtete, dass er fast täglich Bilder Ängste und aus dem Bombenkeller in Berlin, und von toten deutschen Soldaten hatte, sie kämen fast täglich wieder, erzählte er mir erstmals mit fast Achtzig.
Die Frage, wie damit in Therapie und Alltag umgehen, lässt sich nur im Individuellen klären, eine Frage für alle wäre, was brauchst du jetzt um damit zu leben, und dir die Gegenwart und Zukunft leichter zu machen.
Grundsätzlich ist die eigene Anerkennung, vermittelt durch das Gegenüber wichtig, dass es sehr schlimm ist, was geschehen ist, oder in Verunsicherung darüber zu sein, ob von Vater oder Mutter körperliche oder seelische Grenzen überschritten worden sind.
Es besteht kein stabiles emotionales Gleichgewicht im Verhältnis zu sich und anderen Menschen, Vertrauen zu sich und Anderen ist schwer zu erlangen.
Die Anerkennung durch ein empathisches äußeres Gegenüber hilft aus der Spirale von Schuld- und Schamgefühlen auszusteigen.
Eine schlimme Erkenntnis steht im Fokus, das wird nicht wieder gut, und die Verinnerung verschwindet nicht.
Es bekommt aber einen angemessenen Platz, als einen Teil der Geschichte, nicht mehr im Zentrum des Erfahrenen, eine unangenehme Episode, deren Bewältigung Kraft gibt sich dem Schönen zuzuwenden.
Die Schönheit in der menschlichen Begegnung, der Zuwendung zur Natur, der Veränderung misslicher Zustände.
Es ist zu erreichen, dass es in den Hintergrund tritt, und dass die Kraft die aus der Bewältigung kommt ermöglicht im jetzt Veränderungen zu erreichen.
Die schöne Erfahrung ist, dass Menschen die im Prozess Schweres zu bewältigen haben, oft große Veränderungen ansteuern im Leben,
im therapeutischen Prozess etwa sich für ein Studium zu entscheiden, eine Kraft entwickeln für das Leben jetzt zu einem erfüllten gestalten.
Selten bleiben Betroffene hängen, wie die Nadel eines Plattenspieler, der voller Staub in einer Rille hängen bleibt, und immer die gleiche, schlechte Liedzeile wiederholt, es handelt sich um die posttraumatische Verbitterungsstörung, diese Menschen agieren oft passiv aggressiv, und verdienen doch aufgrund ihres Schicksals Empathie und Mitgefühl, und manchmal öffnet sich auch so eine verschlossene Tür durch Liebe, etwa zu einem Tier, oder durch liebevolle Begegnungen wieder.


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